Schreiben als Beruf

 

„Schreiben ist mein Beruf und meine Gewohnheit. Ich glaube, wir werden als etwas geboren, als Maler, als Schriftsteller, und ich kann mir nicht vorstellen, ohne Schreiben zu leben. Ich habe Glück, ich musste nie in den Ruhestand gehen. Als ich sehr jung war und Kommunistin, hing ich für kurze Zeit der Idee vom engagierten Schreiben an. Heute denke ich, dass die Instrumentalisierung des Schreibens durch politische Ideologien fatale Folgen hat. Schriftsteller als Seeleningenieure … Ich glaube, diese Traditionen sind mit dafür verantwortlich, dass beim Lesen immer so viel nach Bedeutungen und Absichten geforscht wird, statt einfach den Geschichten zuzuhören.“

Bernadette Conrad im Gespräch mit Doris Lessing „Als ob wir die Kontrolle hätten …“, Neue Zürcher Zeitung