„Ich muss wissen, warum ich etwas schreibe. Vorher setze ich mich nicht an den Schreibtisch. Sich von Emotionen oder einem Bauchgefühl irgendwohin treiben zu lassen, das bin nicht ich. Ich brauche ein klares Ziel. Zack, da will ich hin.“

„Ohne das Storyboard, das ich mit magnetischer Farbe an die Wand über dem Schreibtisch gemalt habe, kann ich schwer arbeiten. Ich muss die Dramaturgie meiner Stück grafisch vor mir sehen, um den Überblick zu behalten.
Manchmal pinne ich auch Dialoge an die Wand. So erkenne ich, wo der Rhythmus holpert. Dialoge müssen tönen, damit sie uns berühren. Ich höre nie Musik, wenn ich schreibe. Das würde den Rhythmus meiner Texte durcheinanderbringen.
aus: annabelle 3/2019

Extrem wichtig ist es mir, Dialoge zu schreiben, die man nicht hundertmal in Filmen oder Stücken gehört hat. Das ist nicht immer einfach, grad wenn es sich um klassische Situationen handelt, etwa eine Beziehungskrise, wie wir sie in allen möglichen Varianten aus dem Kino kennen. Da muss man um die Ecke denken: Wie könnte der Dialog anders funktionieren?
aus: annabelle 3/2019

Schreibst du eigentlich gern?, hat Céline Tapis die Schriftstellerin gefragt, die gleich für ihren Debütroman „Elefanten im Garten“ für den Schweizer Buchpreis nominiert war:
„Nein, es gibt viele Dinge, die ich lieber tue. Aber jeder hat ein Instrument, um das zu erzählen, was er oder sie erzählen will. Man kann mit Film, Musik, mit Tanz oder Performance erzählen. Ich schreibe, das habe ich schon als Kind getan. … Schreiben hat etwas Brutales. Da sind nur Buchstaben, Schwarz auf Weiß. Es ist ein Ringen um Worte, ein Versuch, das Gefühl im Bauch zu übersetzen. Ich arbeite lang an Texten, ich könnte kein Buch in einem Jahr schreiben. Aber ich mag es, wenn die Dinge nicht bloss flach sind, wenn Reibung entsteht, ich mich bemühen muss.“
aus: Digestif Céline Tapis – Lesen 1/2019 Orell Füssli

Martina Läubli hat den erfolgreichen schweizer Schriftsteller für die Neue Zürcher Zeitung interviewt und ihn gefragt: Macht schreiben glücklich? „Ja, definitiv“, meint Joel Dicker, der erstaunlich früh am Tag an die Arbeit geht … heute habe ich um vier Uhr angefangen.“ Und das ohne Notizen oder Entwurf „Ich vertraue meinem Instinkt“.
An seine Leser und ihre Erwartungen denkt er beim Schreiben nicht, denn „Mein Ziel ist es, ehrlich zu sein. Es ist natürlich wunderbar, ein Projekt mit vielen Menschen zu teilen, aber vorher arbeite ich sehr lange allein. Zwei bis drei Jahre für einen Roman, zwölf Stunden am Tag, das ist ein langer Prozess. Das könnte ich nicht durchhalten , wenn ich es nur für andere täte. Wenn ein Roman fertig ist, habe ich natürlich ein bisschen Angst und hoffe, dass die Leute ihn mögen. Aber was mich antreibt, ist die Freude am Schreiben. Sonst könnte ich keine Geschichten mit so vielen Wendungen und Personen entwerfen.“
aus: „Ich erfahre im Ausland viel mehr Anerkennung“ Interview Martina Läubli, Neue Zürcher Zeitung 24.3.2019

„Ich bin glücklich, wenn ich schreibe. Ich arbeite furchtbar gern. Wenn ich morgens vor meinem Schreibtisch stehe, weiss ich, dass mir genau sechs kostbare Stunden bleiben, bis ich die Kinder von der Schule abholen muss. Seit wir eine Familie sind, hat die Zeit für mich eine andere Bedeutung. Ich arbeite fokussierter, weil mein Spielraum zum Schreiben begrenzt ist.“
aus: annabelle 3/2019

Im Herbst vorigen Jahres hat Daniel Kampa den Kampa Verlag gegründet, nach 20 Jahren bei Diogenes. Allerdings startete er nicht mit leeren Händen: Die Rechte an George Simenons immer noch erfolgreichen Kriminalromanen, Erzählungen und anderen Texten sind nun nicht mehr beim Diogenes Verlag.

Wer Daniel Kampa fragt, wie er dazu kommt in Zeiten rückläufiger Buchverkäufe einen neuen Verlag zu gründen, lernt einen Optimisten kennen: „Man darf sich nicht entmutigen lassen“, ist seine Einstellung. Und die basiert auf der Überzeugung: „Die Menschen werden immer Lust haben, eine Geschichte zu erzählen und eine Geschichte anzuhören. Es geht ja nicht um Bücher, es geht um Geschichten. Wir brauchen Geschichten zum Leben. Das wird nie aufhören, solang es Menschen gibt.“
Und darum, liebe Autorinnen und Autoren, erzählen Sie bitte weiter – Sie werden gebraucht, damit es auch weiter immer neue Geschichten gibt.
Zitate aus: Christiane von Korff: Wir brauchen Geschichten zum Leben – BücherMagazin 2/2019

Zum Erscheinen ihres 560 Seiten starken Romans „Das Ministerium des äußersten Glücks“, Verlag S. Fischer erschien im Spiegel 30/2017 ein umfassender Beitrag über das kompromisslose Engagement der indischen Schriftstellerin für die Schwachen und Unterpriviligierten in ihrem Land: Ihre Stellung als Frau hätte ihr eigentlich nicht erlaubt, sich öffentlich so kritisch zu vielen Bereichen des politischen Lebens zu äußern: „Es gab eine Zeit, da waren Schriftsteller gefährliche Menschen. Heute sollen wir Bestseller schreiben und – wenn möglich – gut aussehen.“

Die indische Schriftstellerin findet, das Größte am literarischen Schreiben sei: Das Außer-Kontrolle-Sein. Dann steuere nicht sie den Verlauf der Geschichte, sondern die Figuren, deren Stimmen sie höre und deren Anweisungen sie folge.

Das hat ihm eine Lektorin geraten und seit nun vierzehn Jahren hat er einen Apfelbaum vor Augen. Der Schriftsteller schreibt am wohlsten in der vertrauten ruhigen Athmosphäre zuhause.
„Mittlerweile habe ich ein Gespür dafür, ob das, was ich gerade schreibe brauchbar oder ein Fall für den Papierkorb ist. Wer Schriftsteller ist, muss bereit sein, Risiken einzugehen, etwas auszuprobieren, auf die Gefahr hin, dass es nicht funktioniert: Mal sehen, was passiert, wenn es plötzlich an der Tür klopft. Das ist ein wenig wie Gott spielen, denn ich bin der Einzige, der über das Schicksal meiner Figuren bestimmt. Willkürlich und ohne mich rechtfertigen zu müssen.“

fragte Tobias Sedlmaier den beliebten israelischen Schriftsteller David Grossmann im Interview für die Neue Zürcher Zeitung.

D. Grossmann: „Ein literarischer Meister ist jemand, der eine Facette des Lebens sichtbar macht, die wir zuvor nicht wahrgenommen haben. Oder vielleicht wussten wir von ihr, konnten sie aber nicht ausdrücken. Anders gesagt: Ein Meister spielt seine eigene Melodie. Die meisten Schriftsteller klingen ähnlich, sie erzählen ihre Geschichte, ohne ihre Melodie zu kennen. Ein wirklicher Meister verhilft uns jedoch dazu, dass unser Ohr eine Melodie vernimmt, die wir noch nie zuvor gehört haben, aber ahnten, dass sie da ist.“
aus: Tobias Sedlmaier „Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind Schauspieler im Gehirn von Mister Trump.“
Neue Zürcher Zeitung 6.6.2019

„Ich wollte erst einmal gar nicht Berufsschriftsteller werden, ich wollte einfach nur schreiben. Ich stellte mir vor, dass man eine normale Existenz hat und nebenher halt ein paar unsterbliche Sachen absondert.“

„Ich kann besser schreiben als sein.“
aus dem Roman „Der Stotterer“ von Charles Lewinsky, Diogenes Verlag 2019

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