fragte Tobias Sedlmaier den beliebten israelischen Schriftsteller David Grossmann im Interview für die Neue Zürcher Zeitung.

D. Grossmann: „Ein literarischer Meister ist jemand, der eine Facette des Lebens sichtbar macht, die wir zuvor nicht wahrgenommen haben. Oder vielleicht wussten wir von ihr, konnten sie aber nicht ausdrücken. Anders gesagt: Ein Meister spielt seine eigene Melodie. Die meisten Schriftsteller klingen ähnlich, sie erzählen ihre Geschichte, ohne ihre Melodie zu kennen. Ein wirklicher Meister verhilft uns jedoch dazu, dass unser Ohr eine Melodie vernimmt, die wir noch nie zuvor gehört haben, aber ahnten, dass sie da ist.“
aus: Tobias Sedlmaier „Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind Schauspieler im Gehirn von Mister Trump.“
Neue Zürcher Zeitung 6.6.2019

„Ich wollte erst einmal gar nicht Berufsschriftsteller werden, ich wollte einfach nur schreiben. Ich stellte mir vor, dass man eine normale Existenz hat und nebenher halt ein paar unsterbliche Sachen absondert.“

„Ich kann besser schreiben als sein.“
aus dem Roman „Der Stotterer“ von Charles Lewinsky, Diogenes Verlag 2019

„Ich glaube, dass es der Literatur schadet, wenn man ununterbrochen schreibt, um den Markt regelmässig zu bedienen … Ich bin für Langsamkeit, für Verschwiegenheit, dass man nur dann schreibt, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt.“ … „Ich habe nach langer Zeit erkannt, dass das Schweigen die Hauptsache ist.“

Bernardo Bertolucci: „Die Welt des Films ist unser kollektiver Traum. … Die Dunkelheit umfängt uns wie ein grosser Schlaf. Wir träumen mit offenen Augen. Jeder erlebt den Traum auf seine Weise. Fragt man zehn Leute, die aus dem Saal kommen, was die Geschichte des Films war, wird man zehn verschiedene Versionen hören.“
aus: Bernardo Bertolucci hat das Kino zum Träumen gebracht“ Christina Tilmann – Neue Zürcher Zeitung 27.11.2018

„Die schwierige Aufgabe der Literatur besteht darin, mit einem Bündel Sätze deutlich zu machen, dass das Leben – die Gefühle, Konflikte, Fehler und Ängste -, dass das alles wert ist, gelebt zu werden. Die Literatur bestätigt das Leben.“

Die Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung hat in ihrer jüngsten Sitzung 1.850.000 Euro vergeben. Mit 1.800.000 Euro wird die Herstellung von vier neuen Filmprojekten unterstützt; die Entstehung von zwei Drehbüchern wird mit 50.000 Euro gefördert.
Nach 14 Jahren Leinwandabstinenz spukt Hui Buh bald wieder im Kino. Für „Hui Buh und das Hexenschloss“ finden sich die Macher und das komplette Schauspieler-Ensemble des ersten Teils wieder zusammen: in den Hauptrollen Michael Bully Herbig, Christoph Maria Herbst und Rick Kavanian. Von der Bühne auf die Kinoleinwand springt der „Caveman“ unter der Regie von Laura Lackmann. Wie im Stück geht es im Film um Frauen und Männer, die bekanntlich nicht zueinander passen – und wie die Ratschläge eines steinzeitlichen Höhlenmenschen hier hilfreich sein können. Neu und mit Oliver Masucci in der Hauptrolle verfilmt Philipp Stölzl die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig, und in dem deutsch-belgisch-albanischen Drama „Die albanische Jungfrau“ erzählen Bujar Alimani und Katja Kittendorf die Geschichte einer jungen Frau, die nach altem Brauch schwört, fortan als Mann zu leben.

Die Förderungen im Detail:

Drehbuchförderung

KINDERTRANSPORT (AT)
Autor: Edward Berger
Förderung: 25.000 Euro
Deutschland, Winter 1938. Der 14jährige Oskar ist in einem Kindertransport-Zug kurz vor der Abfahrt nach Großbritannien. Vor Verlassen des Bahnhofs drückt ihm eine junge Frau ein Bündel Wäsche in die Arme – ein Moment, der Oskars Leben für immer verändern wird.

THE SCIENCE OF SLEEP
Autor: Florian Opitz
Förderung: 25.000 Euro
Ein Drittel unseres Lebens schlafen wir – wenn‘s gut läuft. Warum muss der Mensch eigentlich schlafen? Und schlafen wir überhaupt noch ausreichend? Was passiert, wenn man uns den Schlaf entzieht. Diesen und weiteren Fragen geht der Film nach.

Produktionsförderung

HUI BUH UND DAS HEXENSCHLOSS
Produktion: Rat Pack Filmproduktion GmbH
Regie: Sebastian Niemann
Drehbuch: Dirk Ahner, Sebastian Niemann
Förderung: 600.000 €
In der Fortsetzung der ersten Hui-Buh-Verfilmung spukt das tollpatschige Schlossgespenst lustig weiter. Als die kleine Hexe Ophelia in Schloss Burgeck auftaucht, ist das Chaos perfekt. Denn sie hat ein mächtiges Zauberbuch, hinter dem auch die skrupellose Hexe Erla her ist.

CAVEMAN
Produktion: Constantin Film Produktion GmbH
Regie: Laura Lackmann
Drehbuch: Laura Lackmann
Förderung: 500.000 €
Komödie nach dem gleichnamigen Bühnenstück mit Moritz Bleibtreu in der Rolle des Stand-Up-Comedian Rob. Als dieser von seiner Frau Claudia verlassen wird, will er auf der Bühne endlich die Missverständnissen zwischen Männern und Frauen klären – und gleichzeitig seine Claudia zurückgewinnen.

SCHACHNOVELLE
Produktion: Walker + Worm Film GmbH & Co. KG
Regie: Philipp Stölzl
Drehbuch: Eldar Grigorian
Förderung: 500.000 €
Wien, 1938. Dr. Bartok wird bei einer „Sonderbehandlung“ durch die Nazis ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt gefangen gehalten. Eines Tages gelangt er an ein Schachbuch und beginnt die Partien darin nachzuspielen. Langsam aber sicher verfällt er dadurch immer mehr dem Wahnsinn.
DIE ALBANISCHE JUNGFRAU
Produktion: Elsani & Neary Media GmbH
Regie: Bujar Alimani
Drehbuch: Katja Kittendorf
Förderung: 200.000 €
Die junge Albanerin Luana liebt Agim, mit dem sie aufgewachsen ist, muss jedoch eine arrangierte Verlobung mit Flamur eingehen. Als dieser ihren Vater im Streit tötet und ihre Jungfräulichkeit in Frage stellt, erscheint Luana ihre Weiblichkeit wie ein Fluch. Sie folgt einem alten Brauch und schwört, dass sie fortan als Mann leben und ihren Vater rächen will.

Der nächste Einreichtermin für Produktions- und Drehbuchförderung ist der 29. Juli. Die nächste Sitzung der Kommission findet am 10. und 11. September 2019 statt.

Die Drehbuchförderungen im Detail:

BAYALA – VON ELFEN UND DRACHEN
Autorin: Vanessa Walder
Förderung: 25.000 Euro
Animationsfilm über das Elfenmädchen Marween, das die seltenen Pegasus-Einhörner retten möchte, und sich dafür mit dem Elfenjungen Kishay auf den gefährlichen Weg zum Elfenkönig macht.

EINSTEIN
Autoren: Constantin Lieb und Jürgen Neffe
Förderung: 25.000 Euro
Biopic über Albert Einstein, in dem auch dessen theoretische Welt zum Teil der Bildsprache wird und sie so für Zuschauer ohne physikalisches oder mathematisches Vorwissen direkt erfahrbar macht.
RONJAS WÖLFE
Autorin: Aleksandra Kumorek
Förderung: 25.000 Euro
Vier Kinder retten einem Wolfsbaby das Leben und ziehen es wie einen Hund auf. Am Ende des märchenhaften Kinderfilms besteht Wölfin Ronja sogar die Hundeprüfung.

HIDDENSEE DAS JAHRHUNDERT
Autorin: Annekatrin Hendel
Förderung: 20.000 Euro
Ein Jahrhundert Deutschland aus Insel-Perspektive. Der Dokumentarfilm beschreibt die Geschichte Hiddensees von den goldenen 1920er bis in die 2020er. Dokumentaraufnahmen, Gespräche mit Protagonisten und Archivmaterial werden ergänzt durch eine fiktionale Ebene: das Marionettenspiel.
Drehbuchfortentwicklung

DER LETZTE SÄNGER DER WALE
Autor: Reza Memari
Förderung: 75.000 Euro
Der rebellische Buckelwal-Teenager Vincent mag nicht singen, aber nur mit seiner Stimme kann er die Welt vor dem Urzeit-Monster Leviathan retten. So muss der junge Wal seinen ganzen Mut aufbringen und sich auf eine abenteuerliche Reise in die Tiefsee begeben, um sich und die eigene Stimme zu entdecken.

Die nächste Sitzung der Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung findet am 25. und 26. Juni 2019 statt.

„Ein Buch zu schreiben ist schwer genug. Die Interpretation überlasse ich den anderen. Man schreibt nicht, um Ideen zu illustrieren. Natürlich hat man Ideen, man ist voller Leidenschaften und Urteile, aber sie müssen aus dem Werk hervorgehen, sie dürfen ihm nicht aufgezwungen werden. Wenn ich ein Buch schreibe, denke ich nicht an seine referentiellen Bedeutungen gegenüber der Gegenwart oder der Vergangenheit. Ich beschränke mich ganz aufs Buch, ich lebe in seinen Sätzen. Ein Werk der Fiktion hat eine bestimmte Art von Integrität, die es zu achten gilt. Man kann ihm nicht einfach Symbole einpflanzen, ohne sein Leben zu gefährden.“
aus: Jord Mejias „Wie lebt es sich in Ihren Sätzen, Mister Doctorow? – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Selten, aber doch hin und wieder kommt es vor, dass man etwas schreibt und das Gefühl hat: Oh, das wäre mir nie im Leben eingefallen! Dann hat sich der Text selbständig gemacht. Das erlebte ich zum Beispiel bei „Melnitz“. Ich beschrieb, wie zwei Frauen in der Gegend der Zürcher Löwenstrasse aus dem Haus gingen, um zum Kongresshaus zu spazieren. Doch sie gingen erst in die Altstadt hinüber. Ich hatte keine Ahnung, warum sie das machen und folgte ihnen wie ein Detektiv. Ich dachte, es wird schon einen Grund haben, warum sie diesen Weg nehmen. Wenn Dinge, die man selber erfunden hat, sich derart entwickeln – dann lebt eine Geschichte!“
aus: „Eine lewinskysche Sprache gibt es nicht“ Marius Leutenegger, Lesen 1/2019
von Charles Lewinsky ist gerade sein neuer Roman „Der Stotterer“ bei Diogenes erschienen

Nächste Seite »