Der Regisseur Niki Stein („Bis nichts mehr bleibt“, Rommel und Tatort) im Interview mit Michael Hanfeld (Frankfurter Allgemeine Zeitung):

„Wir werden immer bessere Bücher brauchen. Das liegt an diesem neuen Fernsehmarkt mit Sky, Netflix und anderen. Wenn wir uns als deutsche Filmwirtschaft in diesem aufbrechenden internationalen Markt behaupten wollen, müssen wir im Drehbuch besser werden.“
aus: „Kontrolle ist das Gegenteil von Kreativität“ von Michael Hanfeld – Frankfurter Allgemeine Zeitung 5.2.2019

Herbert Grönemeyer im Interview in der FAZ vom 10.11.2018 „Mein Leben strahlt“ über sein neues Album „Tumult“

„Musik schreibe ich immer. Ich sitze jeden Tag am Klavier und spiele, bis mir was einfällt. Das singe ich vor mich hin, dann gehe ich wieder weg. Am nächsten Tag singe ich das noch mal, dann nehme ich das auf mein Telefon auf und denke: Ja, geht. So finde ich kleine Themen, die ich vielleicht größer machen kann, bis ein Song entsteht. Den singe ich vielleicht über ein Jahr immer wieder vor mich hin, mit meiner englischen Bananensprache. Und wenn ich nach zwei, drei Jahren dann sechs, sieben Stücke habe, dann wird es mal wieder Zeit für eine Platte. Die Texte schreibe ich erst, wenn ich muss.“

Die amerikanische Schriftstellerin Nicole Krauss begann mit Gedichteschreiben, – heute werden ihre Romane in viele Sprache übersetzt und hunderttausendfach verkauft (Kommt ein Mann ins Zimmer, Geschichte der Liebe). Nicole Krauss vergleicht das Gedicht mit einem Zimmer und den Roman mit einem Haus:
„Die Frage ist: Welche Form wird das Haus beim Schreiben annehmen? Das ist für mich Schreiben – etwas bauen, das dann mein Zuhause wird.“

Der entscheidende Satz, mit dem Nicole Krauss etwas Neues anfängt, lässt manchmal lange auf sich warten, auch dafür findet sie eine Metapher aus dem häuslichen Bereich:
„So ein Satz ist wie ein Türknauf. Dann brauche ich noch die Tür dazu – das sind die nächsten Sätze. Wohin werden sie führen? Und wie sieht der Raum aus, der hinter der Tür liegt?“

„Wir tragen immer Ideen mit uns herum, wir müssen nur darauf warten, bis sie sich in uns durchsetzen. So las ich in der New York Times einen Artikel über einen kleinen Park in einem eleganten Stadtviertel, dessen Bewohner nicht länger dulden wollten, dass dieser Park, in dem einst das Haus der Brüder Collyer stand, deren Namen weiterhin trug. Da dachte ich mir: Fünfzig Jahre nach ihrem Tod sorgen die beiden Brüder immer noch für Unruhe. Etwas geht da vor, und es interessierte mich. Eines Tages habe ich dann, ohne zu wissen, was ich tat, den ersten Satz des Buches niedergeschrieben. Es war, aus welchem Grund auch immer, ein Augenblick, der mir wichtig war und in mir etwas auslöste. Erste Sätze sind wichtig, sehr sehr wichtig. Sie sind die Samenkörner eines Buches.“

„Irgendein Bild oder eine Idee oder ein Satz bewirken etwas in mir, und ich fange an zu schreiben, um herauszufinden, was es ist.“

„Ich mußte lernen, dem Schreibakt zu vertrauen, und zwar als etwas, das nicht vollkommen berechenbar ist. Wenn man schließlich weiter im Buch fortgeschritten ist, begreift man allmählich, was man tut, und muss die Prämissen erfüllen. Es ist also keine total mystische Sache, es ist harte Arbeit, und manchmal geht man auch ganz aufgeregt an die Arbeit, nur um im Nichts zu landen.“

aus: Jordan Mejias „Wie lebt es sich in Ihren Sätzen, Mister Doctorow?“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gabriela Kasperski („Quittengrab“ Emons) auf die Frage, was aus ihr geworden wäre, wenn nicht Schriftstellerin:

„Damit ich Schriftstellerin sein kann, bin ich auch Putzfrau, Sprecherin, Lebenscoach, Dozentin, Köchin, Übersetzerin, Beziehungscoach, Regisseurin … irgendwo wäre da sicher ein Platz. Vielleicht nicht als Köchin.“
Aus: Lesen 4/2018, Orell Füssli

„Was das Theater die Wissenschaften lehren könnte, ist, dass wahre Erinnerung nur durch sinnliches Erinnern möglich ist. Es ist unmöglich, die Vergangenheit zu bewältigen, ohne sie mit Haut, Nase, Hintern, Füßen und Bauch wiederbelebt zu haben.“
„Theaterspielen ist in gewisser Weise wie Sex.“
aus: Thomas David „Ein langer Epilog“ Neue Zürcher Zeitung 10.10.2008

„Solange jeder Blogger davon träumt, dass seine Gedanken als Buch erscheinen, solange das Buch als Sehnsuchtsort auch in der digitalen Welt eine solche Kraft behält, muss man vor der Zukunft keine Angst haben.“
Florian Illies, ehemals Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Buchautor (Generation Golf, 1913), Herausgeber der Zeit und seit 2018 verlegerischer Geschäftsführer beim Rowohlt Verlag

Nachdem die vierbändige Romanfolge „Meine geniale Freundin“ unzählige Leser begeistert hat, wird sie bald auch als Fernsehserie erscheinen.
Die geheimnisvolle italienische Schriftstellerin, die immer noch ihren wirklichen Namen unter einem Pseudonym verbirgt, hat das Drehbuch zusammen mit dem Regisseur adaptiert und erfahren:
„Das Problem ist, dass ich unerfahren bin, dass ich gedacht habe, ein Drehbuch wäre schon der Film und folglich jede einzelne Zeile definitiv. Tatsächlich ist das Filmset aber der wirklich wichtige Ort. Das Schreiben schafft einen Ausgangspunkt, es zeichnet nur eine Landkarte, die dem Regisseur helfen soll, unter großem Aufwand der Erzählung eine Form zu geben.“

„Ich glaube, als Schriftsteller weiß man nie wirklich, welches Buch man geschrieben hat. Wir erzählen eine Geschichte und versuchen, das so gut wie möglich zu tun. Ich habe sehr langsam verstanden, dass ein Buch viel mehr mit sich schleppt als das, was ich hineingeschrieben zu haben glaube.“
Aus einem E-Mail-Gespräch, das Merve Emre mit der geheimnisvollen italienischen Schri9ftstellerin führte: „Wie wir Frauen vorankommen“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.1.2019

„Schriftsteller können am Ende nur über sich selber schreiben, sie müssen vor ihrem eigenen Erfahrungshintergrund eine Vision von Wahrheit entwickeln.“
(…) „Der Schriftsteller muss die Bürde der Erinnerung schultern, als Wächter und Zeuge. Eine Art Versöhnung mag ihm gelingen, aber auch Scheitern ist eine Möglichkeit.“
aus: Andreas Breitenstein „Manchmal reicht ein einziger Satz“, Neue Zürcher Zeitung 16.3.2018

Der Schriftstellerin Mirjam Pressler verdanken die Leser an die dreißig Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Bücher, dazu viele Übersetzungen. Sie lebte für und von der geschriebenen Sprache:
„Vielleicht ist mein Leben ja nicht nur geprägt von Worten und Sätzen sondern im eigentlichen Sinn daraus gemacht.“
„Ich traue Wahrnehmungen erst dann, wenn ich Worte für sie finde oder sie mit Worten so weit eingekreist habe, dass ihr Kern von mir erkannt werden kann.“
Am 16. Januar ist Mirjam Pressler gestorben, sie wurde 78 Jahre alt.

Nächste Seite »