Die Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung hat in ihrer jüngsten Sitzung 1.850.000 Euro vergeben. Mit 1.800.000 Euro wird die Herstellung von vier neuen Filmprojekten unterstützt; die Entstehung von zwei Drehbüchern wird mit 50.000 Euro gefördert.
Nach 14 Jahren Leinwandabstinenz spukt Hui Buh bald wieder im Kino. Für „Hui Buh und das Hexenschloss“ finden sich die Macher und das komplette Schauspieler-Ensemble des ersten Teils wieder zusammen: in den Hauptrollen Michael Bully Herbig, Christoph Maria Herbst und Rick Kavanian. Von der Bühne auf die Kinoleinwand springt der „Caveman“ unter der Regie von Laura Lackmann. Wie im Stück geht es im Film um Frauen und Männer, die bekanntlich nicht zueinander passen – und wie die Ratschläge eines steinzeitlichen Höhlenmenschen hier hilfreich sein können. Neu und mit Oliver Masucci in der Hauptrolle verfilmt Philipp Stölzl die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig, und in dem deutsch-belgisch-albanischen Drama „Die albanische Jungfrau“ erzählen Bujar Alimani und Katja Kittendorf die Geschichte einer jungen Frau, die nach altem Brauch schwört, fortan als Mann zu leben.

Die Förderungen im Detail:

Drehbuchförderung

KINDERTRANSPORT (AT)
Autor: Edward Berger
Förderung: 25.000 Euro
Deutschland, Winter 1938. Der 14jährige Oskar ist in einem Kindertransport-Zug kurz vor der Abfahrt nach Großbritannien. Vor Verlassen des Bahnhofs drückt ihm eine junge Frau ein Bündel Wäsche in die Arme – ein Moment, der Oskars Leben für immer verändern wird.

THE SCIENCE OF SLEEP
Autor: Florian Opitz
Förderung: 25.000 Euro
Ein Drittel unseres Lebens schlafen wir – wenn‘s gut läuft. Warum muss der Mensch eigentlich schlafen? Und schlafen wir überhaupt noch ausreichend? Was passiert, wenn man uns den Schlaf entzieht. Diesen und weiteren Fragen geht der Film nach.

Produktionsförderung

HUI BUH UND DAS HEXENSCHLOSS
Produktion: Rat Pack Filmproduktion GmbH
Regie: Sebastian Niemann
Drehbuch: Dirk Ahner, Sebastian Niemann
Förderung: 600.000 €
In der Fortsetzung der ersten Hui-Buh-Verfilmung spukt das tollpatschige Schlossgespenst lustig weiter. Als die kleine Hexe Ophelia in Schloss Burgeck auftaucht, ist das Chaos perfekt. Denn sie hat ein mächtiges Zauberbuch, hinter dem auch die skrupellose Hexe Erla her ist.

CAVEMAN
Produktion: Constantin Film Produktion GmbH
Regie: Laura Lackmann
Drehbuch: Laura Lackmann
Förderung: 500.000 €
Komödie nach dem gleichnamigen Bühnenstück mit Moritz Bleibtreu in der Rolle des Stand-Up-Comedian Rob. Als dieser von seiner Frau Claudia verlassen wird, will er auf der Bühne endlich die Missverständnissen zwischen Männern und Frauen klären – und gleichzeitig seine Claudia zurückgewinnen.

SCHACHNOVELLE
Produktion: Walker + Worm Film GmbH & Co. KG
Regie: Philipp Stölzl
Drehbuch: Eldar Grigorian
Förderung: 500.000 €
Wien, 1938. Dr. Bartok wird bei einer „Sonderbehandlung“ durch die Nazis ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt gefangen gehalten. Eines Tages gelangt er an ein Schachbuch und beginnt die Partien darin nachzuspielen. Langsam aber sicher verfällt er dadurch immer mehr dem Wahnsinn.
DIE ALBANISCHE JUNGFRAU
Produktion: Elsani & Neary Media GmbH
Regie: Bujar Alimani
Drehbuch: Katja Kittendorf
Förderung: 200.000 €
Die junge Albanerin Luana liebt Agim, mit dem sie aufgewachsen ist, muss jedoch eine arrangierte Verlobung mit Flamur eingehen. Als dieser ihren Vater im Streit tötet und ihre Jungfräulichkeit in Frage stellt, erscheint Luana ihre Weiblichkeit wie ein Fluch. Sie folgt einem alten Brauch und schwört, dass sie fortan als Mann leben und ihren Vater rächen will.

Der nächste Einreichtermin für Produktions- und Drehbuchförderung ist der 29. Juli. Die nächste Sitzung der Kommission findet am 10. und 11. September 2019 statt.

Die Drehbuchförderungen im Detail:

BAYALA – VON ELFEN UND DRACHEN
Autorin: Vanessa Walder
Förderung: 25.000 Euro
Animationsfilm über das Elfenmädchen Marween, das die seltenen Pegasus-Einhörner retten möchte, und sich dafür mit dem Elfenjungen Kishay auf den gefährlichen Weg zum Elfenkönig macht.

EINSTEIN
Autoren: Constantin Lieb und Jürgen Neffe
Förderung: 25.000 Euro
Biopic über Albert Einstein, in dem auch dessen theoretische Welt zum Teil der Bildsprache wird und sie so für Zuschauer ohne physikalisches oder mathematisches Vorwissen direkt erfahrbar macht.
RONJAS WÖLFE
Autorin: Aleksandra Kumorek
Förderung: 25.000 Euro
Vier Kinder retten einem Wolfsbaby das Leben und ziehen es wie einen Hund auf. Am Ende des märchenhaften Kinderfilms besteht Wölfin Ronja sogar die Hundeprüfung.

HIDDENSEE DAS JAHRHUNDERT
Autorin: Annekatrin Hendel
Förderung: 20.000 Euro
Ein Jahrhundert Deutschland aus Insel-Perspektive. Der Dokumentarfilm beschreibt die Geschichte Hiddensees von den goldenen 1920er bis in die 2020er. Dokumentaraufnahmen, Gespräche mit Protagonisten und Archivmaterial werden ergänzt durch eine fiktionale Ebene: das Marionettenspiel.
Drehbuchfortentwicklung

DER LETZTE SÄNGER DER WALE
Autor: Reza Memari
Förderung: 75.000 Euro
Der rebellische Buckelwal-Teenager Vincent mag nicht singen, aber nur mit seiner Stimme kann er die Welt vor dem Urzeit-Monster Leviathan retten. So muss der junge Wal seinen ganzen Mut aufbringen und sich auf eine abenteuerliche Reise in die Tiefsee begeben, um sich und die eigene Stimme zu entdecken.

Die nächste Sitzung der Kommission für Produktions- und Drehbuchförderung findet am 25. und 26. Juni 2019 statt.

„Ein Buch zu schreiben ist schwer genug. Die Interpretation überlasse ich den anderen. Man schreibt nicht, um Ideen zu illustrieren. Natürlich hat man Ideen, man ist voller Leidenschaften und Urteile, aber sie müssen aus dem Werk hervorgehen, sie dürfen ihm nicht aufgezwungen werden. Wenn ich ein Buch schreibe, denke ich nicht an seine referentiellen Bedeutungen gegenüber der Gegenwart oder der Vergangenheit. Ich beschränke mich ganz aufs Buch, ich lebe in seinen Sätzen. Ein Werk der Fiktion hat eine bestimmte Art von Integrität, die es zu achten gilt. Man kann ihm nicht einfach Symbole einpflanzen, ohne sein Leben zu gefährden.“
aus: Jord Mejias „Wie lebt es sich in Ihren Sätzen, Mister Doctorow? – Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Selten, aber doch hin und wieder kommt es vor, dass man etwas schreibt und das Gefühl hat: Oh, das wäre mir nie im Leben eingefallen! Dann hat sich der Text selbständig gemacht. Das erlebte ich zum Beispiel bei „Melnitz“. Ich beschrieb, wie zwei Frauen in der Gegend der Zürcher Löwenstrasse aus dem Haus gingen, um zum Kongresshaus zu spazieren. Doch sie gingen erst in die Altstadt hinüber. Ich hatte keine Ahnung, warum sie das machen und folgte ihnen wie ein Detektiv. Ich dachte, es wird schon einen Grund haben, warum sie diesen Weg nehmen. Wenn Dinge, die man selber erfunden hat, sich derart entwickeln – dann lebt eine Geschichte!“
aus: „Eine lewinskysche Sprache gibt es nicht“ Marius Leutenegger, Lesen 1/2019
von Charles Lewinsky ist gerade sein neuer Roman „Der Stotterer“ bei Diogenes erschienen

Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegeners Antwort auf die Frage woher er seine Inspiration für das tägliche Zeitungsgeschäft nehme:
„Ich pflege jeden Morgen um fünf Uhr die Bonsais.“
Mediendienst Kress

In einem Interview für die schweizer Zeitschrift annabelle hat Frank Heer den Singer/Songwriter Jack Savoretti gefragt:
Wie schreiben Sie ein Liebeslied? Setzen Sie sich hin und los geht’s?
„Ich brauche einen Auslöser. Einen Geruch, eine Szenerie oder eine Stimmung.(..) Dann spiele ich ein wenig auf meiner Gitarre oder setze mich ans Klavier und hoffe, dass etwas entsteht. Oft habe ich eine Szene im Kopf, wie in einem Film. Nehmen wir „Candlelight“. Da sind zwei Menschen in einem Raum. Man weiss nicht, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Er hat Angst, sie zu verlieren, sie hat Angst, sich ihm ganz hinzugeben. Er möchte das Licht nicht löschen, sie will im Dunklen sein. Ich mag szenische Songtexte.“
Wie viel Gefühl erträgt ein Liebeslied, bis es kitschig tönt?
„Ich finde, man kann sehr weit gehen. Wenn dum zweifelst, dann hast du schon verloren. Kitschig wird es dann, wenn du Angst vor deinen eigenen Gefühlen bekommst. Oder wenn sie nicht ernst gemeint sind.“
Wann merken Sie, dass es zu viel der Garnitur ist?
„Meine Frau sagt es mir. Und mein Produzent. … Natürlich, es ist ein Risiko, sich in einem Liebeslied durch den Kitsch zu pflügen, aber wer nichts riskiert, tönt nach Mittelmass.“
aus: „Musik-Herztöne“ Frank Heer

„Singen macht glücklich“, davon ist der Who-Sänger Roger Daltrey überzeugt. In seiner kürzlich auf Deutsch erschienen Autobiografie „My Generation“ (Bertelsmann) sagt er auch warum:
„Der Gesang war wie ein magischer Schlüssel, Freunde zu finden.“
Songwriter Pete Townshend, seit mehr als 50 Jahren Bandmitglied und Leadgitarist der Who, hat als Singer/Songwriter die meisten Rocksongs geschrieben und ist mittlerweile ebenfalls glücklich über die 70 gekommen.
aus: „Gesang als magischer Schlüssel, um Freunde zu finden“ Florian Balke – Frankfurter Allgemeine Zeitung 27.4.2019

erklärt Singer/Songwriter Maurice Ernst der Wiener „Bilderbuch“-Band auf die Frage von Florentin Schumacher:
Kein Aufschreiben von Träumen, kein Notieren erster Songskizzen für den Tag, so lange der Kopf noch frei ist?
„Da stehst halt auf und setzt dich mit deinem Kaffee vor Mikrofon und Laptop und machst es. Es gibt sicher Leute, die jeden Tag eine Seite schreiben, aber so funktioniert es bei mir nicht. Ich nehme das Mikrofon in die Hand, höre Demos, und hoffentlich toucht mich etwas so sehr, dass ich einfach singe. Im besten Fall habe ich dann schon dreißig bis vierzig Prozent vom Text. Von lautmalerischen Melodien über Worte, die ich schon länger singen wollte, taste ich mich vor. Manche Songtexte habe ich nie geschrieben, nur gesungen. Wenn das passiert, ist es genial, weil: Dann bist du so nah an der eigentlichen Idee von Performance, von Musizieren und Singen. Den Text kann man danach kontrollieren.“

Wie geht das?
„Ich versuche mein Hirn auszuschalten und auf das Gefühl zu vertrauen, dass ich ein korrekter Typ bin. Das heißt, was aus mir herauskommt, wird schon okay sein. Das ist das Grundvertrauen. Und dann, wenn der Text daliegt, schaue ich ihn an und korrigiere mehr oder weniger.“
aus: „Mach dich lose!“ Florentin Schumacher – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.2.2019

„Schreiben ist für mich ein fundamentales Bedürfnis. Ich habe sehr jung damit angefangen, aber in dem Milieu, in dem ich aufgewachsen bin, war das keine Karriere, die man anstrebte. Es war einfach nur etwas, das ich tat und das mir immense Freude bereitete. Im Laufe der Jahre wurde es zu einer idealen Methode, Ordnung ins Chaos zu bringen. Es gibt einen Anfang und ein Ende, das verschafft mir ein Gefühl von Kontrolle. Und das ist ein ziemlich cooles Gefühl.“

„In Wirklichkeit sind alle meine Bücher die Inkarnation von Gedanken zu einem bestimmten Thema. Dabei ist die Handlung immer zweitrangig. (…) Die Handlung ist ein Mittel zum Zweck … Sie ist das Skelett, an dem ich den Rest befestige. Was mich aber wirklich interessiert ist das Warum, die tieferliegenden Beweggründe.“
aus: Clémentine Goldszal – ELLE 29.9.2017

Eleonor Coppola, Ehefrau des berühmten Paten-Regisseurs Francis Ford Coppola, hat mit 74 Jahren ihren ersten Spielfilm gemacht: „Paris can wait“.

„Als ich 74 Jahre alt wurde, war mir plötzlich klar, dass ich nicht mehr allzu viel Zeit habe, wenn ich mich auch einmal an einem Spielfilm versuchen möchte. Man könnte vermutlich sagen: Es war die Angst, es nie mehr zu tun, die mich dann dazu beflügelt hat.“ Wie sie das Geld dafür beschafft hat, das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat? „Ich habe gelernt. Ich habe ein Seminar für Regie und eins für Schauspiel belegt. Und die kritischen Stimmen in meinem Kopf, die habe ich für eine Weile zum Schweigen verdonnert.“ Die Kritik an dem Roadmovie war geteilt, vielleicht auch, weil die Frau des berühmten Filmemachers einen Traum verwirklicht hat? Eleanor Coppola hat sechs Jahre an dem Filmscipt gearbeitet. Auslöser für das Roadmovie war eine Reise von Cannes nach Paris in Begleitung eines Geschäftspartners. Die Fahrt dauerte länger als geplant und entwickelte sich unerwartet zu einer gastronomischen Reise, die sich im Nachhinein als „Augenöffner“ und „Befreiungserfahrung“ herausstellte.

Christopher Vogler sagt in seiner „Odyssee“: „Wir begeben uns beim Schreiben auf eine Reise in andere Zeiten und an andere Orte. Als Autoren treten wir diese Reisen nicht wie Tagträumer an, sondern wir besitzen die schamanische Fähigkeit, die fremden Welten in uns aufzunehmen, zu bewahren und später in Form von Geschichten an andere weiterzugeben. Unsere Geschichten haben die Heilkraft der schamanischen Geschichten, die Kraft, die Welt zu erneuern, den Menschen Metaphern zu geben, mit denen sie ihr Leben besser verstehen können.“
Christopher Vogler: „Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker. Mythologische Grundmuster für Schriftsteller. Hardcover, Leseband, 416 Seiten, 29,99 Euro
Das Buch, das „in den letzten Jahren Furore gemacht hat“.(DIE WELT)
http://www.autorenhaus-verlag.de/odyssee.phtml

Nächste Seite »