canetti.jpg… und anderen unterscheidet Martin Walser.  für ihn gibt es die aufgeschriebenen, die anderen nennt er die hingeschriebenen. das erstere ist mehr dazu gedacht  termine, begegnungen, namen und treffpunkte in erinnerung zu behalten. das andere, das hingeschriebene, dagegen enthält die kommentierten gedanken, ideen- auch figurenentwicklungen für geschichten und romane, literarisch und sehr persönlich. diese art tagebuch ist auch nicht gleich mit der absicht geschrieben, eines tages veröffentlicht zu werden. eher ein arbeitsbuch. da kriegen auch schon einmal die schriftstellerkollegen ordentlich was ab.

sehr beeindruckend nachzulesen in „Party im Blitz. Die englischen Jahre“ von Elias Canetti, aus dem Nachlaß herausgegeben von Kritian Wachinger im Carl Hanser Verlag erschienen. es ist von brillianter bosheit und enthält sehr persönliche detailbeobachtung von nahezu allen schriftstellern dieser zeit. offen bekennt Canetti darin: „Ein Spion war ich immer, ein Spion, der allen Spielarten des Menschen nachging, und wo eine solche Spielart deutlich zu erkennen war, mag ich mit besonderer Gier zugehört haben.“  davon profitiert auch der tagebuch-hinschreiber immer.