„Das Tagebuch ist ein Vehikel für meine Individualität. Es zeigt mich emotional und geistig unabhängig. Daher protokolliert es nicht einfach mein tatsächliches Leben, sondern stellt – in vielen Fällen – eine Alternative vor. (…) Nur Faulheit hindert mich daran, Schriftstellerin zu werden. Eine gute Schriftstellerin. (…) Warum ist Schreiben wichtig? Ich vermute, vor allem aus egoistischen Gründen. Weil ich diesse Fogur sein will, eine Schriftstellerin, und nicht, weil ich etwas sagen muss. Aber warum nicht auch das? Indem ich meinem Ego etwas nachhelfe – etwa durch das fait accompli, das dieses Tagebuch darstellt -, werde ich zu der Gewissheit finden, dass ich etwas zu sagen habe, das gesagt werden sollte.
Mein „Ich“ ist winzig, vorsichtig, zu vernünftig. Gute schriftsteller sind grandiose Egozentriker, bis zur Torheit. Vernünftige Menschen, Kritiker, korrigieren sie – aber ihre Vernunft schmarotzt von der kreativen Torheit des Genies.“

dies ist ein auszug aus einer von Matthias Fienbork übersetzten für das jahr 2009 im Hanser verlag geplanten ausgabe der Tagebücher von Susan Sonntag – sicher sehr interessant für alle, die schreiben.