entnommen dem kapitel „Das akademische Dorf“:

„Die Welt der Germanisten ist klein. In Amerika, wo die Germanistik immer mehr zu einem Orchideenfach schrumpft, ist sie so klein, daß jeder jeden kennt, der irgendwann einen Aufsatz geschrieben hat. Literaturwissenschaftler sind von Haus aus geschwätzig und tratschen gern. Kein Wunder, läßt sich doch die ganze Literatur als ein großer Tratsch bezeichnen, mit fast nichts anderem als Liebesaffären und gewaltsamen Todesfällen, Unzucht und Verrat, Opfermut und Feigheit, alles groß angelegt und herzerhebend. Diese Feststellung wird meist etwas betreten aufgenommen, aber zum Widerspruch reicht der Widerstand kaum. Das Beweismaterial ist zu umfangreich.“
aus: „unterwegs verloren – Erinnerungen,“ erschienen im Paul Zsolnay Verlag 2008