„Nehmt mein Schreiben wie das Reden der Menschen, die auf der Straße für sich allein laut vor sich hin sprechen und die man ungerechterweise für verrückt hält. Sie rekapitulieren Momente ihrer Lebenszeit, fühlen sich durch ihre eigene Stimme nicht mehr einsam, sie hören etwas, das sie führt oder besänftigt, sie wissen dadurch, dáss ihr Körper nicht nur eine Masse Fleisch ist, die sich nach irgendeinem unerklärlichen Gesetz in die eine oder andere Richtung bewegt, ins Büro geht, zum Einkaufen, zu Besuch, zum Notar, einfach nur zum Luftschnappen, zum Zigarettenrauchen, weil dies ja jetzt sogar in den Wohnungen verboten ist. Sie sind allein in unserer Stadt, wo die meisten Kinder schon ausgezogen sind und nur ein paar Paare hausen, mehr aber alleinstehende Männer und Frauen, und auch die beginnen immer mehr zu sich selber zu sprechen oder auf der Tastatur ihrtes Power Book G4 zu spielen, die – ohne je Klavierunterricht genossen zu haben – auf einen Flügel klimpern in er Hoffnung, es entstehe plötzlich eine Melodie, eine kleine Komposition. Das ist es, was mein Schreiben ist.“
entnommen aus Luc Bondys neuesten roman Am Fenster, erschienen im Paul Zsolnay Verlag Wien