Wer glaubt, es handele sich beim Bücherprinzen um einen so verzweifelt wie vergeblich um gesellschaftliche Anerkennung ringenden Pseudoverleger, irrt sich gewaltig. Hier offenbart eine der unkonventionellsten Persönlichkeiten der Zuschussbranche mit Selbstbewusstsein seinen Lebensweg: Wilhelm Ruprecht Frieling schildert, wie er als Schulabbrecher, langhaariger Beatles-Fan, trampendes Blumenkind, aufbegehrender 68er, Journalist in Diensten einer Sowjet-Agentur schließlich nach einem USA-Besuch die »Vanity Press« entdeckte und das Geschäftsmodell auf Deutschland übertrug.

Mit dem Slogan »Verlag sucht Autoren« hatte er seit Anfang der achtziger Jahre einen durchschlagenden Erfolg: »Es war wie das nächtliche Angeln mit starken Lampen in fischreichem Gewässer: vom gleißenden Licht angelockt schossen aus tiefsten Tiefen farbenprächtige Fische an die Oberfläche und sprangen in unser Boot. Wir kamen mit dem Löschen der herrlichen Ladung kaum nach.«

Aber er schreibt auch, »dort, wo sich Marklücken sichtbar öffnen, rücken Wölfe näher, die den Braten wittern und ungeladen an den gedeckten Tisch rücken. Eine Reihe von Schwindlern und Hochstaplern fühlte sich durch die vermeintliche Möglichkeit, schnell reich zu werden, angezogen und umschlich den Markt.« So bildhaft beschreibt der Insider die Branche. Er dagegen, so der Unternehmensgründer, der inzwischen den Stab weitergereicht hat, »setzte
… auf ehrliches und offenes Spiel. Wer sich an mich wandte, wusste genau, was auf ihn zukam und was er erwarten durfte.« Die Autoren könnten ihren »Einsatz als Totalverlust« abschreiben, was dennoch Tausende von Autoren nicht daran hinderte, ihm ihr Manuskript und Geld anzuvertrauen. Schließlich schrieb sogar der Spiegel: »Das schrägste, originellste und individuellste Verlagsprogramm weit und breit.«

Wilhelm Ruprecht Frieling
Der Bücherprinz
Wie ich Verleger wurde
368 Seiten, 60 Abbildungen, Broschur
Internet-Buchverlag, 2009