aus seinem bericht über das Berliner Literaturfestival 2009: „Träumen Fischer von abgelegenen Inseln?“

„Wer schreibt, verwandelt sich. Vom Akteur des eigenen Lebens wird er zum Autor von Geschichten. Dabei dehnt sich das Ich, bis es in vielen Zungen reden, mit vielen Köpfen denken kann. Aber am Ende, wenn das Buch auf dem Tisch liegt und sein Autor daraus vorliest, ist er wieder nur der Alltagsmensch: der Mittdreißiger, die Dame im hellblauen Rock. Von dieser Dissonanz leben Literaturfestivals. Sie bringen den Literaten und sein Werk zusammen auf die Bühne, als könnte der eine das andere wirklich erhellen. Fast jeder Schriftsteller behauptet das Gegenteil, und denoch setzen sich alle gehorsam vor ihr Publikum und lesen. Denn der Drang, das Gesicht hinter einem Buch zu sehen, ist ebenso unwiderstehlich wie der Wunsch, gesehen und gehört zu werden. Auch wenn beides immer wieder zu Missverständnissen führt.“

zur lesung des schriftstellers Aleksandar Hemon aus dessen roman LAZARUS bemerkt Andreas Kilb; “ Es wirkte bei Hemons Auftritt … jeder Satz, den er vorlas, wie eine autobiografische Notiz. Die Lesung spannt den Autor wieder vor die Geschichte, von der er sich gerade schreibend befreit hat. Für manchen Schriftsteller ist das eine Qual. Für das Publikum ist es immer ein Spektakel.“