in diesem roman wird ein schriftsteller porträtiert, seine entwicklung, seine zweifel, sein weg. einige autobiografische züge soll der autor dem eigenen leben entnommen haben:

„Wolf liest hier zum ersten Mal aus seinen Texten – mit fahler Stimme, zitternd bis in die Manuskriptseiten hinein und vor Scham so schnell, als wollte er vor dem drohenden Verständnis der Zuhörer fliehen. Ihre stille Aufmerksamkeit macht ihn einsamer als er es je war, misstrauischer auch; alle Bilder klingen plötzlich nur noch nach Papier, in jeder Assonanz oder Alliteration schimmert seine Eitelkeit auf, jede Pointe ist schon deswegen fade, weil sie Pointe sein will, und vor dem kultivierten Kopfnicken und dem gelegentlichen Seufzen oder Räuspern hier und da kommt er sich vor wie ein nachtes Nichts, das seine Kirmes-Tätowierungen präsentiert.
Das Schweigen nach der Lesung ist ein Loch ohne Boden; nur zögerlich setzt das Klatschen ein und hört sich dünner an als bei den anderen, eine Diskussion wird der Ochsenschwanzsuppe geopfert, und entsetzt von sich selbst, beschließt er, nie mehr eine Zeile zu schreiben; verzweifelt zerreißt er das Manuskript auf dem Klo.“

aus: Ralf Rothmann, Feuer brennt nicht, Suhrkamp Verlag