»An einem heißen Sommervormittag blickte Jane Mackenzie nach
über sechzehnjähriger Ehe aus einer Entfernung von fünfzehn Metern
auf ihren Mann und erkannte ihn nicht.« Mit diesem ersten Satz hat
Alison Lurie den Leser gleich an der Angel. Paar Nummer eins sind
etablierte Eheleute auf dem Campus, Paar Nummer zwei kommt
wegen einer Gastdozentur hinzu. Jane und Alan, Dozent Fachbereich
Architektur, verfolgt von ständigen Rückenschmerzen durch
einen Bandscheibenvorfall, begegnen Paar Nummer zwei: Henry,
Lektor, und Delia, Schriftstellerin mit zeitlich begrenztem Lehrauftrag.
Dann geht es los mit den Irrungen und Wirrungen und natürlich
der Eifersucht und was sonst noch das Salz in der Beziehungssuppe
ausmacht. Die interessanteste Figur in diesem Viererspiel ist
die erfolgreiche Schriftstellerin Delia, eine clevere Intrigantin, die
alle um den Finger wickelt und öfter unter schrecklichen Migräneanfällen
leidet. Außer dem Bäumchen-wechsel-dich-Happyend versteht
man sogar, warum die Schrifststellerin so gekonnt alle Register
bei den Männern zieht:
»Nehmen wir einmal an, ich könnte plötzlich nicht mehr schreiben.
Die Welt vergisst so schnell, sie will immer wieder etwas Neues.
Jeder weiß, wie das geht: Du schreibst nicht mehr, aber du bekommst
immer noch ein kleines Stipendium oder hier und da einen kleinen
Preis, und dann hast du sehr bald die meisten Stipendien und Preise
abgeräumt. Du versuchst, dich mit Lesungen durchzuschlagen, aber
die Angebote werden immer dürftiger. Bald gehörst du zu den abgehalfterten
Typen, die man in Schriftstellerkolonien trifft und die sich
nur von einem Aufenthaltsstipendium zum anderen durchhangeln.
Und dann wachst du eines Morgens auf und kommst nicht mal mehr
in eine dieser Kolonien, du bist alt und hässlich und fast vergessen,
das Einzige, was dir bleibt, ist eine Blockhütte in den Bergen mit
undichtem Dach, ein Haufen alter Kleider und unbrauchbarer Manuskripte.
« Darum ist es nicht uninteressant, dass Delia den Kolleginnen,
die von ähnlichen Ängsten gequält werden, verrät, wie man sich
am besten versorgt und rettet. Voraussetzung: eine Wolke rotblonden
Haars, ein traumhafter Körper mit Eingangssperre und ein paar
brauchbare zahme männliche Tiger. Oh yeah! Lesen heißt Lernen.

Alison Lurie
Paare
Roman
Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann
309 Seiten, gebunden, Diogenes, 2008