Die Biografin Frauke Meyer-Gosau fängt die Stimmung und Atmosphäre
jener Lebensorte ein, die Haupt- und Zwischenstationen von
Ingeborg Bachmann waren: Immer wieder Wien, Rom, Paris, Zürich,
Berlin, Iskia – Trennung und Wiederkehr. Dabei verbindet Meyer-
Gosau einfühlsam Ereignisse im Privatleben der Schriftstellerin mit
deren räumlichen Umgebung. Leicht findet sie Übergänge von einem
Besuch des hochherrschaftlichen Hauses in Rom, in dem Max Frisch
und Ingeborg Bachmann lebten, um überzuleiten auf die schwierige
Beziehung der beiden Literaten zueinander. Und natürlich erzählt
sie, in welchem Land, unter welchen persönlichen Schwierigkeiten
und in welcher Begleitung das Werk, Lyrik und Prosa, von Ingeborg
Bachmann entstanden. Zum Beispiel Berlin, wo sie als Stipendiatin
der Ford Foundation erstmals jene Tablettencocktails erprobt haben
soll, unter deren Einfluss Lyrik und ihre Büchner-Preis-Rede entstanden.
Anhand der verschiedenen Lebensorte zeichnet die Biografin
ein Bild der ungewöhnlichen Schriftstellerin, das von ihrem Schaffen
während glücklicher und zutiefst depressiver Lebensabschnitte und
den Extremen ihrer Persönlichkeit, von Unsicherheit, Eifersucht und
Eitelkeiten erzählt. Der Leser lernt Ingeborg Bachmann nicht nur
als Lyrikerin, sondern auch als verletzliche Frau kennen. Im ausführlichen
Anhang sind Anmerkungen verzeichnet, die dem Leser
die sonst üblichen Fußnoten ersparen, außerdem ein Literaturverzeichnis
mit Werken von Ingeborg Bachmann und Lesetipps.
Interessant: Hinweise auf Bücher von Autoren, die Ingeborg Bachmann
als kaum getarnte literarische Figur auftreten lassen. Eine schöne
Überraschung sind die eingestreuten Schwarzweißfotos aus verschiedenen
Zeitabschnitten.

Frauke Meyer-Gosau: Eine Reise zu Ingeborg Bachmann
Einmal muss das Fest ja kommen
237 Seiten, gebunden, C.H. Beck, 2009