Die Realität: Ein erfolgreicher Ghostwriter nimmt einen Auftrag an
und, anders als er es in seinem Beruf gewohnt ist, lernt er den Mann,
für den er schreiben soll, nicht vorher kennen. Dafür erhält er ein
Flugticket in die USA. Aber mit der Ankunft dort löst sich das Rätsel
des Auftraggebers auch weiter nicht. Stattdessen wird der Leser
in eine Geschichte mit drei Teilen hineingezogen wie in ein Vakuum.
Die parallel laufenden Handlungsstränge sind immer anfangs Wirklichkeit
und werden im weiteren Erzählverlauf mysteriös: Die Realität
zieht sich mehr und mehr zurück; Rätsel bauen sich auf, Fragen
werden nicht beantwortet. Der Leser wird gezwungen, selbst Zusammenhänge
zu finden und zu interpretieren. Er folgt gebannt der Poesie
der Beschreibung, versucht zu assoziieren, zu kombinieren. Bis
zum Ende des Buches steigert sich die Spannung und das Warten auf
eine Klärung, auf einen Hinweis, wie sich der Kreislauf deuten lässt
und wo er sich für alle Hauptfiguren erfüllt. Stefan Beuse hat mit
seinem Roman ein Stück Literatur in wunderbarem Rhythmus und
lyrischer Sprache geschaffen.

Stefan Beuse
Alles was du siehst
Roman
174 Seiten, gebunden, C.H. Beck, 2009