Thomas Hettches Sprache in seinen Essays und Reisereportagen
ist ein besonderes Geschenk an die Leser. Freunde des Krimigenres
konnten Thomas Hettche 2001 mit Der Fall Arbogast auch als Psychothriller-
Autor kennenlernen. Der Roman war einem authentischen
Fall literarisch nachempfunden und wurde in zehn Sprachen
übersetzt. Im Fahrtenbuch sind über eine Zeitspanne von fünfzehn
Jahren Essays und Reportagen versammelt. Besonders erwähnungswert
für Autoren: Essays wie »Ripley: replay, Was uns von unserem
Fleisch unterscheidet, Patricia Cornwell und das Böse«, in denen
immer wieder das Schreiben Thema ist, so auch Reminiszenzen zu
Filmen wie »Blade Runner«, zu Hannibal Lector oder den Romanen
von Patricia Cornwell und deren vielseitiger Figur Kay Scarpetta,
die sich tatsächlich von Buch zu Buch weiterentwickelt, faszinieren
in ihren analytischen Aussagen. Für alle, die wissen möchten, wie
gute Essasys geschrieben werden, und für Sprachgourmets empfehle
ich diesen Band. In seinem samtgrünen Ganzleinen mit Goldprägung
ein Schmuckstück. Zum Abschied noch ein kurzes Zitat: »Wenn ich
durch Berlin gehe und dabei die Wege meiner Figuren kreuze, ist mir
das so unangenehm, als spräche ich auf offener Straße mit mir selbst
oder begegnete Gespenstern.«
Denken Sie daran, wenn Sie ihm zufällig begegnen sollten, und
weichen Sie ihm taktvoll aus – womöglich erkennt er in Ihnen eine
seiner Figuren.