Thomas Keul hat 29 Autoren nach ihrem heimlichen Hang zum trivialen
Lesestoff befragt: Nix Benn, Brecht, Bang, dafür Comic, Pulp
und Paparazzi. Thomas Glavinic hat das Vorwort geschrieben. Zuerst
macht es dem Leser schon Freude, die eigenen Buch- und Heftchen-
Freunde zu treffen und sie als geschätzte Lektüre auch von Literaten
zu wissen. Thomas Glavinic steht auf Karl May, Klaus Modick ebenfalls,
mag aber auch Tarzan, Silke Scheuermann und Norbert Kron
interessieren sich für die Glamourwelt. Annette Pehnt guckt gerne in
den Ikea-Katalog und natürlich wird auch Helge Schneider genannt.
Die befragten Autoren liefern auch die entsprechende Erklärung für
ihre heimlichen Lesegenüsse, und die ist belletristisch und geht über
jede Verteidigung hinaus. Und all diese Geständnisse, Erklärungen
sind auch noch wunderschön gebunden in türkis Ganzleinen mit
Prägung, türkis gemustertem Vorsatz und türkisfarbenem Lesebändchen.
(Eine Farbe, die ein Feuilletonist in einer Kolumne einmal als
unsäglich und bei Frauen besonders beliebt bezeichnete: sie sei nicht
blau und nicht grün, eine unentschlossene, eine Nichtfarbe.)

Thomas Keul (Hg.)
Unwürdige Lektüren
Was Autoren heimlich lesen
236 Seiten, gebunden, SchirmerGraf, 2009