das gespräch mit deNicoletta Wagner und Andreas Breitenstein

Sie sind heute ein global rezipierter Autor. Hat das Ihre Art zu schreiben verändert?

„Ich weiss es nicht. Ohne auf Experimente und Originalität zu verzichten, versuche ich jeweils, ein durchschnittliches Publikum zu erreichen und nicht für die Katakomben zu schreiben. Wenn man will, dass Kultur in Verbindung zur realen Welt bleibt, muss man den gewöhnlichen Leser erreichen, sonst wird Kultur zu einer marginalisierten und isolierten Aktivität, die keine Anregung mehr erhält aus dem breiten Erfahrungsschatz. Bleibt die Kultur marginalisiert, beginnt ein Niedergang, wie man ihn in der modernen Musik und in der Malerei beobachten kann. Ich hoffe, das passiert nicht ebenso mit der Literatur.“

Kann der Roman als Form die Komplexität der heutigen Welt noch bewältigen?

„Ja, denn er ist ein offenes und flexibles Genre, für alle Arten von Situationen oder Erfahrungen. Ich glaube nicht an den Niedergang des Romans. Das Problem scheint heute vielmehr, was mit dem Buch geschieht. Ist es dazu verdammt, durch Bildschirme ersetzt zu werden? Das würde unser Verständnis von Kultur nachhaltig beeinflussen. Verschwinden wird das Buch wohl nicht, aber wenn es zú einem Anarchronismus gerät, wird Literatur massiv verarmen. Sie würde das, was aus Kultur heute im Fernsehen geworden ist: arm, manchmal amüsant. Unterhaltung wäre der hauptsächliche Wert dieser Art von Literatur.“

Tante Julia und der Kunstschreiber erscheint im Suhrkamp Verlag als taschenbuch