Autorenbrief vom 4. Februar 2010

das, liebe Autorinnen und Autoren,

glaubt Goethes Katze. „Ich beschloss, für den Rest meiner Tage von meiner Krallen Arbeit zu leben. (…) Es dämmerte mir, dass die Goethesche Dichtung nie so recht volkstümlich werden würde, weil nämlich das Unglück nie seine Feder geführt hatte.“ Der Kater, der dies behauptet, war nicht nur Zeuge von Napoleons blutigen Feldzug gegen Preussen, er war auch bei der Eroberung Weimars dabei. Dort beschließt er, die Chance zu nutzen, sich dem Haushalt des berühmten Dichterfürsten anzuschließen, um das Philosophieren über die Frauen, das Liebes- und Eheleben und den Unterschied zwischen bürgerlicher und Seelen-Ehe, die Wissenschaft, die Farbenlehre und die Dichtung zu erlernen. Seine rasche Auffassungsgabe beschert ihm bald jede Menge hellsichtiger Erkenntnisse wie: „Ein Roman ist ein mit Tinte bedeckter Papierberg, der dazu diente, Kapital daraus zu schlagen; und ein guter Kritiker war in der Regel ein verunglückter Schriftsteller.“

In seinen Memoiren gibt der Kater großzügig seine Selbsterkenntnisse an die Nachwelt weiter: „Man sollte nicht von der Poesie leben, sondern nebenbei einem bürgerlichen Erwerb nachgehen wie Hans Sachs, der sich für das Schuhmacherhandwerk aufopferte. Wäre Goethe nicht Minister und Kammerherr mit hohem Einkommen gewesen, würde seine Dichtung viel von jener Überlegenheit und olympischen Würde entbehrt haben, die ich an ihm bewundere.“ Freche, amüsante und bissige Bemerkungen über Goethe, das Schreiben und das Theater und natürlich Goethes Freunde machen dieses einhundert Jahre junge Werk zum Vergnügen – auch für Leser, die keine Katzen haben, mit denen sie den Spass teilen können.

Autor der Satire „Goethes Katze“ ist der Däne Svend Leopold. Der Roman erschien 1908 erstmals in deutscher Sprache und passt mit seinem literarischen Hintergrund in das Autorenhaus-Programm und mit dem Kater als Protagonisten zur edition tieger. Der Halbleinenband ist gerade aus der Druckerei gekommen. Sie können die amüsante Goethe-Satire im Buchhandel oder bei uns direkt bestellen.
Svend Leopold: Goethes Katze. Oder Dichtung und Wahrheit. Roman, 155 Seiten, Halbleinen, 14,90 Euro versandkostenfrei:
www.edition-tieger.de/349.0.0.1.0.0.phtml

Über die handwerklichen Finessen beim Schreiben von Satire schreibt Bernd Zeller in seinem Fachbuch „Komik & Satire“. Es ist das erste deutschsprachige Lehrbuch zu diesem Thema: Komik & Satire – Für Journalisten und Autoren: 120 Seiten, 14,90 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/322.649.0.0.1.0.phtml

Im Tieger-Blog verrät der amerikanische Lyriker Mark Strand, warum Dichtung high macht, Ian McEwan wie Lyrik seine Prosa bestimmen kann und David Baldacci, warum es sich gelohnt hat, 15 Jahre für die Schublade zu schreiben:
www.autorinnen.de

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Gerhild Tieger

WENN SIE Ihr Manuskript dem richtigen Verlag anbieten möchten: Im Jahrbuch für Autorinnen und Autoren 2010/2011 finden Sie dazu die aktuell recherchierten Adressen: Mit Genre-Index und durch Fragebogen ermittelten Programme und Angaben zur Form der Manuskriptangebote. Dazu hunderte weiterer Adressen aus dem Literaturbetrieb, redaktionelle Beiträge zum Buchmarkt unmd zum Schreiben und Veröffentlichen. Jahrbuch für Autoren, Autorinnen 2010/2011, Hardcover, 800 Seiten, nur 29,90 Euro versandkostenfrei:
www.autoren-jahrbuch.de