Liebe Autorinnen und Autoren,

den meisten Lesern ist wahrscheinlich der Inhalt eines Buches zunächst wichtiger als der Stil, in dem es geschrieben ist. Ist es emotional berührend und spannend und nimmt es sie ganz gefangen, sind stilistische Finessen erst einmal sekundär. Für die Professionellen, die Schriftsteller, dagegen, gehört der Stil, in dem sie ein Buch anlegen, zum Handwerk. Auf dem Weg zur eigenen Stimme stand bei vielen Schriftstellern die Begeisterung für einen „literarischen Riesen“, einem Vorbild, das sie zur Nachahmung herausgefordert hat – bis sie ihren eigenen Stil gefunden haben. Peter Stamm dazu in einem Interview mit Manfred Papst: „… zweifellos hat Hemingway mich beeinflusst. Jedenfalls behaupte ich das immer. Es erstaunt mich ein bisschen, dass Rezensenten diese Verbindung kaum je bemerken oder erwähnen. (…) Wenn sie von Einflüssen auf mich sprechen, nennen sie eher Carver. Der ist aber meiner Meinung nach selbst ein Hemingway-Schüler. Ihn habe ich übrigens erst viel später gelesen.“ Mehr von Peter Stamm und was man von Hemingway lernen kann finden Sie im Tieger-Blog:
www.autorinnen.de

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von gestern hat Thomas Glavinic sich und seine sieben Romane mutig selbst getestet und – sieben verschiedene Autorenstile in seinen Büchern festgestellt. Der Gipfel: Melinda Nadj Abonji und Glavinic erzeugen ähnliche Algorithmen. Lesen Sie mehr unter „Ja, wie schreiben Sie denn bloß?“:
www.faz.net/artikel/C30870/schreibstilanalyse-ja-wie-schreiben-sie-denn-
bloss-30486032.html

Gönnen Sie sich den Spass, machen Sie einen Selbstversuch – geben Sie Ihre Textprobe hier ein:
www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx

Und wenn Sie danach Lust bekommen haben, Ihren Schreibstil an verschiedenen literarischen Vorbildern zu üben, helfen Ihnen die professionellen Anleitungen und Übungen von Manfred Hagel dabei, Ihre eigene literarische Stimme zu finden. Das Buch wird gerne bei Seminarenb und Kursen für Kreatives Schreiben eingesetzt. Manfred Hagel: Die eigene literarische Stimme finden. Kreative Schreibübungen von Dada bis zur amerikanischen Moderne, 382 Seiten, nur 9,80 Euro:
www.autorenhaus-verlag.de/269.0.0.1.0.0.phtml

Hier noch eine kleine Autoren-Hilfe gegen Redundanz im Text: Wem es schwer fällt, seine Schreibarbeit von anderen beurteilen zu lassen, für den gibt es jetzt den Bla-Bla-Meter. Der prüft die von Ihnen eingegebenen Abschnitte und ermittelt den „Bullshit-Index“. Wenn sein Urteil auch „mit einer Prise Salz“ zu nehmen ist, ein Spass ist es auf jeden Fall. Suchen Sie einen kurzen Text aus und stellen Sie den Zensor auf die Probe. Hier die
Direktverbindung:
www.blablameter.de

Dieser Autorenbrief (Bullshit-Index: 0.09), zeigt übrigens „keine oder nur sehr geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch“, wie tröstlich! Wenn Sie das Standardwerk „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ gelesen haben, werden Sie sicherlich ein gutes Ergebnis erzielen, denn es stammt von den Top- Dozenten der wohl größten Akademie des Creative Writing:
www.autorenhaus-verlag.de/creative-writing-a.steele-raymond-carver.phtml

Herzliche Grüße
Ihre
Gerhild Tieger