und damit bin ich zufrieden.“ bekannte die als erfolgreichste deutsche Krimi-Schriftstellerin bekannte Ingrid Noll, die am 29. September 76 Jahre alt wird, im Gespräch mit Marius Leutenegger in der books-Ausgabe 2010.

Wie finden Sie Ihre Stoffe? Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen?
„Alles beginnt mit einer wochenlangen Schwangerschaft, in der ich mich frage: Über wen will ich schreiben? In dieser frühen Phase geht es nicht um eine Handlung, sondern nur um die Menschen, die mich interessieren. Bei meinem Buch „Kuckuckskind“ interessierte mich zum Beispiel eine Frau mit Depressionen und einem unerfüllten Kinderwunsch. Dann kommen nach und nach weitere Personen hinzu – etwas eine Kollegin, die gleichzeitig die Konkurrentin der Hauptfigur ist. Ich versuche dann, wie eine Schauspielerin in diese Rolle hineinzuschlüpfen und sie nachzuempfinden.

Zu diesem Zeitpunkt machen Sie sich noch keine Gedanken über die Handlung?
„Nein. Aber wenn ich die Personen im Griff habe, hetze ich sie aufeinander – und gucke mal, was dabei herauskommt. Dass es zwischen diesen Leuten nicht gut ausgehen kann, ist ja klar.“

Die Handlung ergibt sich einfach von selbst?
„Manchmal stockt der Fluss natürlich, dann hole ich Dinge nach, die ich schon längst hätte tun sollen – die Gardinen waschen oder so. Ich habe glücklicherweise keinen Druck. Mein Vorteil besteht darin, dass ich die Idee im Unterbewußtsein weiterarbe iten lassen kann. Irgendwann entsteht ein roter Faden. Wenn ich ihn habe, beginne ich mit dem Schreiben; die einzelnen Szenen entwickle ich dann am Computer.“