Die polnische Dichterin und Nobelpreisträgerin hat mit ihrem Gedicht ‚Grabstein‘ mehr als vierzig Jahre vor ihrem Tod den eigenen Nachruf vorausgeschrieben – da war sie nicht einmal vierzig Jahre alt. Am 1. Februar 2012 starb sie im Aler von 88 Jahren, ihre Poesie wird leben.

Grabstein

Hier ruht, altmodisch wie das Komma, eine
Verfasserin von ein paar Versen. Die Gebeine
genießen Frieden in den ewigen Gärten,
obwohl sie keiner Literatengruppe angehörten.
Drum schmückt nichts Bessres ihre Totenstätte
als dieser Reim, die Eule und die Klette,
Passant, hol den Computer aus dem Aktenfach
und denk über Szymborskas Los ein wenig nach.

Übersetzung von Karl Dedecius
aus: Wislawa Szymborska: ‚Deshalb leben wir‘, Bibliothek Suhrkamp
http://www.polen.pl/grabstein-wislawa-szymborska-gestorben/