Zum 25-jährigen Jubiläum des Bundesverband junger Autoren und Autorinnen lädt der BVjA ein zur Tagung:

„Aus Versehen politisch! Das Politische in der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“

vom 23.3.-25.3.2012 in der Evangelischen Akademie Loccum

Auf die Frage, was denn junge deutsche Literatur sei, definiert der junge Autor Leif Randt im Mai 2011 in einem Interview mit der „Zeit“: „Oft Beziehungsgeschichten, die in jungen, akademischen Milieus stattfinden, in Großstädten, in WG-Küchen, in denen die Morgensonne in einem bestimmten Winkel hereinfällt, während der Kaffee gekocht wird. Und es gibt ziemlich abgründige Emotionen, die oft mit der Familie zu tun haben. Man ist sehr medienerfahren, die Figuren haben viele Serien und Filme gesehen, es herrscht eine Grundabgeklärtheit. Die Konflikte sind unausgesprochen und schweben. Die Dinge werden nicht beim Namen genannt, sondern durch die genaue Beschreibung der Sonne auf dem Küchentisch ausgedrückt. Das kann oft ganz schlimm sein, manchmal aber auch gut.“ Und auf die Frage, ob seine Texte denn politisch seien, antwortet er, sie seien „ab und zu aus Versehen politisch“.

Im August 2010 forderte Günter Grass im „SPIEGEL“ (Ausgabe 33/2010), die junge Generation von Autoren solle angesichts von „Finanzkrise, Kinderarmut, Abschiebeprpieaxis, das Auseinanderdriften von Reich und Arm“ eine „Haltung entwickeln und verlautbaren“. Er würde es bedauern, wenn die von ihm mit begründete und par excellence repräsentierte „relativ kurze Tradition“, dass sich in Deutschland Autoren als intellektuelle Wortführer in den politischen Diskurs einbrächten, abreißen würde.

Immer wieder fordern Schriftsteller mehr politischen Mut der jungen Schriftstellergeneration. Im September 2011 war in den deutschsprachigen Zeitungen zu lesen, dass auch der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa von seinen Autorenkollegen mehr politisches Engagement forderte. „Ein Schriftsteller sollte sich nicht scheuen, sich die Hände schmutzig zu machen, sich hineinzuknien, mitzumischen in der politischen Debatte der Demokratie“.

Der 1982 in Graz geborene Clemens J. Setz erzählte frank und frei, dass er es ´lustig` finde, sein letztes Buch in den Bestsellerlisten dort zu sehen, wo sich sonst nur Håkan Nesser, Donna Leon oder Charlotte Roche tummeln. Ambivalent wird die Haltung dieses Repräsentanten ´junger, deutschsprachiger Literatur` dadurch, dass er, wie auch andere junge Autoren, mit dem Vorwurf konfrontiert wird, allzu stromlinienförmig zu sein. Er sagt: «Die arrivierten Autoren probieren ja auch nicht mehr wirklich viel aus. Vielleicht sollte man eher denen zurufen: ´Seid doch mal experimentieller`.»

Nach dem ersten Jahrzehnt dieses neuen Jahrtausends erscheint es, dass die Figur des politischen Intellektuellen, wie sie weite Teile des 20. Jahrhunderts geprägt hat, dem Tode geweiht ist. Die Literaten, die Stellung beziehen, sind in der Öffentlichkeit und der ausdifferenzierten, partikularen und fragmentierten Mediengesellschaft kaum gefragt.

Gewiss: Es lässt sich sicherlich bei etwa 90.000 Neuveröffentlichungen jährlich zu jedem politischen Thema auch ein Roman finden. Aber es fehlt der ‚große Rundumschlag’, z.B. ein Roman, der als explizit „politischer Roman“ wahrgenommen und besprochen wird.

Wenn es politische Literatur noch gibt, dann muss sie allerdings auch im Literaturbetrieb wahrnehmbar sein. Literarische Texte politischen Inhalts zu produzieren, ist das eine. Verlegt, vermarktet, publiziert und diskutiert zu werden, das andere. Wie steht es also um den Mut der Autoren? Wie steht es aber auch um den Mut der Verlage, explizit politische Texte ins Programm zu nehmen? Warum wird politische Literatur von den Verlagen ignoriert?

Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA)
Postfach 20 03 03, 53133 Bonn
www.bvja-online.de

Tagung vom 23.3.-25.3.2012
in der Evangelischen Akademie Loccum
Beginn: 23.3.2012, 15 Uhr
Ende: 25.3.2012, 12 Uhr (mit dem Mittagessen)
Anmeldung: http://www.loccum.de/programm/p1218.pdf
Wegbeschreibung: http://www.loccum.de/akademie/anreise.html