Liebe Autorinnen und Autoren,

auch in diesem Jahr müssen wir nicht auf ein weiteres Werk von Woody Allen verzichten. Der Mann hat vier Oscars im Schrank und behauptet, sie seien eher „gut für den Verleiher, weil die Filme dann mehr Geld einspielen“. „To Rome with Love“ ist sein jüngster „Städte-Film“, nach den Metropolen Barcelona und Paris. Die Ideen gehen dem Filmemacher, der in seinen Filmen auch gern mal eine Rolle übernimmt und seine Drehbücher selbst schreibt, nicht aus. Er findet sie im Leben, in einem Zeitungsartikel oder beim Dinner. Und er sammelt sie wie das Eichhörnchen seine Vorräte für den Winter: „Ich schreibe diese Ideen auf einen Zettel und stecke ihn in eine Schublade. Wenn ich Ende des Jahres Zeit habe, um ein neues Drehbuch zu schreiben, schaue ich die Notizen wieder an.“
Altmeister Sydney Lumet meint, Filme machen sei ein komplexer technischer und emotionaler Prozess: „Es ist Kunst. Es ist Kommerz. Es ist herzzerreißend, und es macht Spaß. Es ist eine phantastische Art zu leben.“ Bevor Sie sich ernsthaft vornehmen, ein Drehbuch zu schreiben und mehr über das Regieführen zu erfahren, informieren Se sich bei Sidney Lumet, Filme machen – Vom Drehbuch zum fertigen Film. 258 Seiten, Neuausgabe 16,80 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/sidney-lumet+filme-machen.phtml

Als eine der spektakulärsten Fernsehserien Amerikas sind die von 1999 bis 2007 gesendeten „Sopranos“ die Antithese zu Woody Allens Filmen – eine „moralische Zumutung“ nannte es Daniel Haas in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es geht um das ganz normale tägliche Leben von Mafiamitgliedern, deren Terminologie ‚ausknipsen‘ nicht gerade ‚Licht ausschalten‘ bedeutet. Überraschend: Die süchtig machenden Fortsetzungen knüpfen nicht unbedingt an die vorherige Episode an, Probleme, die den Stoff leicht weiterentwickeln könnten, werden liegengelassen, Figuren gehen und kommen unerwartet wieder. Großzügig werden neue Personen beim genüsslichen Pastaessen eingeführt und irgendwann wieder vergessen. Das verstößt zwar gegen die gängigen Drehbuchregeln, aber Autor David Chase und seine Mitschreiber lenken den Zuschauer mit so vielen Einfällen und verblüffenden Wendungen ab, dass der gar nicht dazu kommt, den verschwundenen Darstellern nachzutrauern. Könner kennen eben die Regeln und wissen wie sie publikumswirksam dagegen verstoßen können. Ein großartiges Beispiel dafür, dass ein guter Roman wie ein guter Film aus Charakteren erwächst. Jede Folge besteht im Grunde genommen von Anfang bis Ende aus einer Krise. Denn „Konflikte sind der Herzschlag“ jeden Films, wie Lajos Egri sagt. „Und es gibt keinen Konflikt, der sich nicht zuvor andeutet. Konflikt ist jene atomare Energie, in der eine Explosion eine Kette weiterer Explosionen auslöst.“
Lajos Egri: Dramatisches Schreiben. Theater – Film – Roman. Das Standardwerk hat 345 Seiten u. kostet frei Haus 19,90 Euro:
www.autorenhaus-verlag.de/lajos-egri-dramatisches-schreiben.phtml

Wenn Sie mehr über das Serienschreiben lesen möchten, dann empfiehlt sich ein „Kursus über die besonderen Anforderungen von TV- Filmen, TV-Serien und Drehbüchern“ (Literaturkritik) von Vivien Bronner: Schreiben fürs Fernsehen. Drehbuch-Dramaturgie für TV-Film und TV-Serie. 220 Seiten, 19,90 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/vivien-bronner+schreiben-fuers-fernsehen.phtml

Und wenn daraus ein Krimi oder Thriller werden soll, dann liegt vielleicht in der Notiz „Mördergene“ eine Anregung:
www.autorinnen.de

„Einen Löffel Erde in den Koffer geben, gilt als erster Schritt. Dann in den Kopf greifen und sehen, wie die Augen das Schreiben sehen.“ So beschreibt Birgit Kempker den Prozess des Schreibens. Zwei Vormittage lang wird sie am 20. und 21. Oktober 2012 mit den Teilnehmerinnen ihres Workshops „Den Kopf schütteln und rütteln, die Nüsse auflesen, knacken, essen, verschenken und pflanzen“ experimentieren. Mehr hier:
www.autorinnen.de

Und falls Sie es in diesem Jahr nicht zur Frankfurter Buchmesse geschafft haben, trösten Sie sich mit dem Eindruck, den der bekannte schwedische Schriftsteller, Philosoph und Vielschreiber Lars Gustafson einmal von der Bücher-Großveranstaltung hatte: „… Tag für Tag derselbe Zug der Lemminge von dunkel gekleideten Menschen, die sich in den Gängen drängeln . . . Aber das Schlimmste von allem: Jede Stunde die gleiche Lesung aus einer mangelhaften Lautsprecheranlage, der es nicht gelingt, das Hintergrundrauschen von den Ständen rechts und links zu übertönen.“ Ist es nicht viel schöner stattdessen in häuslicher Stille vor dem Monitor sitzen zu dürfen, um über die nächsten Schachzüge Ihrer Figuren zu brüten?

Mit herzlichen Grüßen und wie immer: Carpe Diem!
Ihre Gerhild Tieger