„Das Gedicht ist nicht der Ort, wo die Schönheit gepflegt wird. …

Christoph Meckel veröffentlichte seinen ersten Gedichtband mit eigenen Illustrationen in der Eremiten Presse, Düsseldorf. Heute sind die Ausgaben dieser ungewöhnlichen Handpresse Sammlerstücke und der Lyriker mit der Doppelbegabung hat schon lange einen Namen als Dichter. Deshalb kann er so drastisch und überzeugend das Entstehen und das Wesen des Gedichts darstellen.

… Das Gedicht ist nicht der Ort, wo die Wahrheit verziert wird. …

Das Gedicht ist nicht der Ort, wo der Schmerz verheilt wird. …

Das Gedicht ist nicht der Ort, wo das Sterben begütigt
wo der Hunger gestillt, wo die Hoffnung verklärt wird. …

… Das Gedicht ist der Ort der zu Tode verwundeten Wahrheit.
Flügel! Flügel! Der Engel stürzt, die Federn
fliegen einzeln und blutig im Sturm der Geschichte!

Das Gedicht ist nicht der Ort, wo der Engel geschont wird.“

aus: ‚Rede vom Gedicht‘