„Meine Erfahrung ist: Ein Buch ist eine Inspiration, es hat jedoch eine andere Sprache, einen anderen Rhythmus. Es ist ein anderes Medium als der Film. Im Film sind Bilder konkret, im Buch sind sie angedeutet. In meiner Arbeit geht es darum, den Kern einer Geschichte zu finden, der mich anspricht. Ob das der Intention des Autors entspricht, ist nicht sicher, denn ein Film ist eine subjektive Betrachtungsweise und Interpretation des Inhalts. Es gibt keine optimale Literaturverfilmung. Das ist sowieso ein blödes Wort. Literatur ist ein eigenes Medium – und Film ist ein anderes. Ich muss dem Film Leben einhauchen, das aus den Worten der Literatur fliesst. Aber ich muss die Worte auf eine reale Ebene transformieren und komprimieren. Zudem sind Bücher meist zu umfangreich, als dass man jede Szene übernehmen könnte. Im Film fehlt immer viel. … deshalb nutze ich als Vorlage lieber eine Kurzgeschichte als einen detailliert ausgearbeiteten Roman. Ich arbeite nach der Devise, dass man letzlich recht respektlos mit dem Material umgehen muss. Auf die Gefahr hin, dass ein Autor, wenn er noch lebt, nicht einverstanden ist. Bei mir waren sie meistens schon tot – und haben sich vielleicht im Grab umgedreht.“
Regisseur und Oscar-Preisträger Xavier Koller sprach mit Benjamin Gygax in Books Nr.1/2012