Erinnern Sie sich noch an Singles? Die großen Hits waren früher die aus Langspielplatten ausgeklinkten Singles, sie verkauften sic manchmal millionenfach. Heute sind sie tot, stattdessen lädt man einzelne Songs herunter. Und die Musikbranche ist dabei auch heruntergekommen. Aber Buchverlage glauben neuerdings an Singles. Sie verstehen darunter Kurztexte als E-Book veröffentlicht. Amazon war Schrittmacher mit Kindle Single, in Deutschland haben renommierte Verlage wie Fischer, Suhrkamp, Hanser nachgezogen. Konstantin Richter schreibt in der „Welt“: „Für Autoren liegt in der Kürze ein besonderer Reiz. Sie haben keine Lust mehr, ewig nur 250-Seiten-Romane zu schreiben, sie wollen Kurzgeschichten, Reportagen und Aphorismensammlungen publizieren, auch mal was genialisch Bruchstückhaftes raushauen, ohne den Aufwand einer klassischen Buchproduktion. Und die Verleger haben mehr Spielraum, sie können – für einen minimalen Vorschuss oder gar keinen – einen Text bringen, der früher als Buch überhaupt nicht infrage gekommen wäre. Essays und Reportagen so lang, dass die Zeitungen sie nicht drucken würden. Novellen so kurz, dass die Buchhändler sie nicht bestellen würden.“
Die Welt vom 22. Juni 2915 von Konstantin Richter
Buchtipp: Kurz und gut schreiben