Pascal Blum hat mit dem amerikanischen Filmwissenschaftler Mark Sandberg (Universität Berkeley, zur Zeit Universität Zürich) über Spoiler von TV-Serien gesprochen und eine psychologische Frage gestellt:

Ist also der Spoiler (der ‚gewissenlos‘ den Plot einer Serie enthüllt) die kulturelle Form der Angst, dass uns plötzlich etwas traumatisieren könnte?

Mark Sandberg: „Ich habe gehört, dass Beziehungen in die Brüche gegangen sind, weil eine Person Informationen über den Verlauf einer Serie enthüllt hat. Manche nehmen das sehr ernst, es ist für sie ein kleines Trauma. (…)
Man kann sich fragen: Weshalb hat das serielle Erzählen im Fernsehen … während der letzten Jahre an Bedeutung gewonnen, in einer Zeit also, in der man begonnen hat, mit der permanenten Möglichkeit verstörender News zu leben. Ich glaube, es liegt daran, dass traumatische News uns sehr verletzlich gemacht haben. Das wiederum beeinflusst unsere Erwartungen gegenüber Erzählformen. Deshalb gibt es Bereiche, in denen wir uns davor schützen, zu erfahren, wie es weitergeht. Man will gewisse Dinge nicht wissen, bevor sie eintreten. Spoiler sind die mildere Form der Verwundung durch traumatische News. Der Bildschirm, auf dem die Serien laufen, ist ja zugleich auch die Quelle potentiell verstörender Nachrichten.“
Tages-Anzeiger 7.12.2015 – Pascal Blum: „Was ist es, was wir nicht über die Zukunft wissen?“