In seinem Beitrag zum Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, stellt Roman Bucheli fest: „.. um sieben Juroren mit einem Text von höchstens zwanzig Minuten beeindrucken zu können, muss wenigstens ein guter Einfall her, noch besser sind mehrere gute Einfälle.“ Anschließend aber kritisiert er sowohl Einfall wie auch Autor:

„Einfälle ruinieren den Text. Sie sollten das Sahnehäubchen sein oder der Motor einer Geschichte. In Wahrheit blasen sie bloss auf, was dem Dichter sonst saft- und kraftlos scheint. Sie machen Effekt und zerstören mit ihrer Knallerei das subtilere Gewebe. Der Einfall ist eine Misstrauenskundgebung an die Sprache. Wo er sich einer Geschichte aufpfropft, ist die Bruchlandung vorhersehbar. Weil er abschnürt, was sich aus sich selbst heraus entfalten können muss.

Nur Autoren haben Einfälle. Maler oder Musiker würden sich hüten, nach Einfällen zu komponieren oder zu malen. Aber Schriftstellern ist der Glaube nicht auszutreiben, sie müssten ihre Leser überraschen, sie müssten einen munteren Plot erfinden, sie müssten ihre Geschichte um eine skurile, witzige, ausgefallene, absonderliche Begebenheit herum erzählen. Sie müssten interessant sein. Jedoch ist nichts langweiliger, als wenn jemand versucht, nicht langweilig zu sein.“
(aus: Roman Bucheli: „Einfall du bist umzingelt“ – Neue Zürcher Zeitung vom 9.7.2016)
Ronald. B. Tobias: 20 Masterplots. Die Basis des Story-Building in Roman und Film