Die Münchener Literaturprofessorin beantwortet im Interview mit dem Magazin flair die Frage:

Wie sind Mode und ihre Farben in die Literatur eingeflossen?

Es gibt etliche Schlüsselszenen in berühmten Romanen, etwa das nudefarbene Spitzenkleid, das Renée in „Die Treibjagd“ von Èmile Zola trägt. Minutiös beschreibt er, wie sie, die Gattin eines Pariser Immobilienmoguls, darin als kostbare Preziose die Treppe hinabschreitet. Nude als Farbe der Haut und durchscheinende Spitze: Eine geradezu skandalöse Mischung. Oder die kranke Erbin Milly Theale in Henry James „Die Flügel der Taube“ in ihrem weißen Kleid mit venezianischen Perlen. Madame Bovary in ihrem blauen Merinowollkleid, als Charles sie zum ersten Mal sieht. „Die Frau in Weiß“, ein Roman von Wilkie Collins, und die 80er-Kultkomödie „Die Frau in Rot“. Nicht zu vergessen „Die Passantin“ von Baudelaire, die, den Saum ihres schwarzen Kleides schwenkend, einem Mann im Café entgegentritt.“
aus: Siems Luckwaldt „In einer Welt, die immer schwärzer wird, ersehnen wir die Heiterkeit bunter Farben“ – Flair – März 2017