Was ist für Sie das Schöne am Beruf des Schriftstellers?, fragte Gerhild Tieger im Autorenbrief vom Mai 2018. Hier einige Antworten:

Was ich irre finde am Schriftstellersein: Wenn sich jemand wie ich 23 Jahre lang den Namen der spanischstämmigen Geliebten eines Investmentbankers aus New York City merkt, der im ersten Kapitel von Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ von einer Telefonzelle aus versehentlich seine Frau anruft: „Maria?“ Mir blieb das Herz stehen.
Isabelle Tschierschke

Die Recherche, das Abtauchen ins Thema und dann in den Text, das Entstehen einer Geschichte, die in mir gesteckt hat und die ich nun mit Worten zum Leben erwecke… und die Freunde, die ich durch diese Tätigkeit gefunden habe. Autoren, Verleger, Lektoren und Leser, das ganze Drumherum, die bunte Buchwelt!
Claudia Rapp

Das Schreiben:
„Für den, der es versteht, ist es angenehmer als Brot und Bier, als Kleider und Salben.
Es ist glückbringender
als ein Erbteil in Ägypten
und als ein Grab im Westen.“
Papyrus Lansing, 2400 v. Chr.
Georg Fox

Als Autor schätze ich vor allem die Größe meines Büros. Ich will nicht angeben, aber es sind gut und gerne 300.000.000 Quadratmeter. Wenn ich mir Geschichten ausdenke, muss ich raus in die Natur. Auf endlosen Spaziergängen jage ich den Ideen hinterher wie andere Leute Pokémons. Anderes geht es nicht.
Ulli Bujard

… und wo fange ich an?
Vielleicht ist das Allerschönste an der schriftstellerischen Arbeit, dass ich meine eigene Welt gestalten kann. Ich kann an jeden Ort der Welt gehen. Ich kann mich mitten im Winter im Sommer wiederfinden (oder umgekehrt) – ganz ohne Flieger.
Ich kreiere Figuren, die anfangen zu leben, ein Eigenleben führen, mit mir leben, meine Geschichten schreiben.
Jenna Theiss

Das Schönste am Schreiben ist, dass ich dann ganz bei mir bin. Dass das Entlegenste und das Nächste, das Vergangene und das Gegenwärtige ,die Zukunft, die Fernen und die Vertrautesten, Tier und Mensch, die Lebenden und die Toten nah sind. Ich mich der Tiefe, unergründbar, und der Höhe unermesslich mit Worten nähere. Und, dass all das wahr ist – unvergänglich.
Das Schönste am Beruf des Schriftstellers ist, dass ich diese Erfahrung mit Anderen teilen kann: Es ein Wiedererkennen gibt.
Ich setze meine Worte. Meine Satzzeichen – Pausen. Und in diesen liegt die Welt.
Katharina Scharlowski

Das Schöne am Beruf des Schriftstellers ist für mich, dass man beim Schreiben eines Romans eigenständige Persönlichkeiten zum Leben erweckt und ihre Geschichte für immer zwischen zwei Buchdeckel festhält. So, als hätte es die Personen wirklich gegeben und die Geschichte wäre wirklich passiert. Das ist für mich jedes Mal ein sehr berauschendes Gefühl.
Sabine Nimser

Ich habe die Möglichkeit alles was sich so in meinem Kopf befindet auf Papier oder in den Computer zu bringen und mich anderen Menschen mitzuteilen. Ich kann mein eigenes Leben zurecht spinnen oder meine Fantasie in fantastischen Welten spazieren gehen lassen. Ich kann romantische Ausflüge in ferne Welten und andere Zeiten unternehmen. Ich kann in der Realität und bei der Wahrheit bleiben oder ich kann eine Geschichte erdenken. Sprich ich kann tun und lassen, was ich will und wenn etwas niedergeschrieben ist, fühle ich mich befreit und glücklich.
Karin Helbig

Unabhängigkeit
Johannes Jung

Das Schöne am Beruf des Schriftstellers ist für mich: Eine neue Welt zu erschaffen.
Wir schreiben über die Welt, wie wir sie kennen, oder wie sie sein sollte, oder wie wir sie uns wünschen, oder wie sie nie sein wird, aber auf jeden Fall erdenken wir uns eine Welt neben der existierenden Welt.
Sandra Niermeyer

Drei Dinge:
Das Eintauchen in die Welt meiner Wahl
Die erhöhte Aufmerksamkeit, die diese Tätigkeit mit sich bringt
Die Möglichkeit des Einflussnehmens
eva eva

Als Schriftsteller ist es einem erlaubt, sich die Welt so zu gestalten, wie man sie gerne hätte, ohne gleich in die Klapse eingewiesen zu werden. Man kann total bekloppt und blutrünstig sein ohne Konsequenzen zu fürchten. Wo sonst hat man solche Freiräume und kann so unbeschwert träumen und leben wie als Schriftsteller? Darum bin ich so gerne Schriftstellerin, weil ich hierbei bleiben kann, so wie ich bin und so arbeiten und leben kann wie ich bin und wie ich es brauche. Ich fühle mich wie ein Kind auf einem riesengroßen Spielplatz. (gek.)
Mel Mae Schmidt

Als Schriftsteller gewinne ich die geistige Freiheit, die Welten-Uhr für einen Momente lang anzuhalten, setze mich losgelöst von Raum und Zeit mit einem von mir gewählten Thema auseinander und fasse meine eigenen und fremde Wahrnehmungen in behutsam zusammen getragene Worte. Die Vielfalt der hierfür gebotenen Möglichkeiten ist für mich das Schönste an unserem Beruf.
Catrin George

Das Schöne am Romane schreiben …. ist Gott-Mutter sein zu können. Geschöpfe zu schaffen, ganze Welten zu kreieren, Leben und Sterben, oder nur pralles Leben zu Papier zu bringen. Das Glück im Schneckenhaus zu schildern, neben dem Glück im Palast. Gemein und schäbig zu agieren im Wechsel von gütig und hochherzig.
Bärbel Rädisch

Eine Schriftstellerin, ein Schriftsteller „überrascht“ – nicht nur, wenn hinter der freundlichen Verkäuferin in der Bäckerei eine Krimi-Autorin mit aufregenden Ideen steckt, sondern auch von den Inhalten her. Ohne Überraschendes funktioniert Schriftstellerei nicht. Überraschen und verkannt – diese beiden Wahrnehmungskomponenten sind verschwägert, haben miteinander zu tun, ähneln dem Salz in der Suppe. (gek.)
Renate Schauer

Die Autorinnen und Autoren dieser Aussagen erhalten ein Exemplar des Buchs von Cornelia Jönsson: Der Sprung ins weiße Blatt. Von der Kunst, Romane zu schreiben und das Leben zu genießen.