Als Sebastian feststellte, dass er lange genug auf den Geräteschuppen im hinteren Teil des Gartens gestarrt hatte, schloss er das Fenster und setzte sich an seinen Schreibtisch. Der war genauso unaufgeräumt wie sein Leben. Alles schrie nach einer Neuordnung. Warum war nur alles so aus dem Ruder gelaufen? Darüber würde er sich wohl ein paar regulierende Gedanken machen müssen. Er legte die unerledigte Post zur Seite, leerte den vollen Aschenbecher im Papierkorb und knipste die Schreibtischlampe ein paar Mal an und aus. Dann verharrte sein Blick auf dem Spender mit dem Klebeband, der in der Mitte zwischen Lampe und Postablage stand. Vorsichtig zog er an einem Stück Band, riss es aber nicht an der gezackten, scharfen Kante ab, sondern sah es nur an. Dann nahm er das Band zwischen Daumen und Zeigefinger. Es pappte am Daumen, der Zeigefinger schwebte frei. Ganz langsam löste er das Band vom Daumen ab. Der Abdruck darauf war deutlich zu sehen. Der nahm das Band wieder zwischen Daumen und Zeigefinger und streifte es auf dieselbe Weise ab. Das wiederholte er drei Mal. Auf dem Klebestreifen waren jetzt jede Menge Daumenspuren zu sehen. Er war nicht mehr ganz durchsichtig, die Abnutzung hatte ihn zerknittert und nach dem fünften leichten Daumendruck blieb er nicht mehr haften, klebte nicht mehr. Fasziniert starrte Sebastian auf das verbrauchte Stück Klebeband, das schlapp aus dem Ständer hing.

Eigenartig. Heute Morgen hatte er mit seiner Frau über die Möglichkeit einer Scheidung gesprochen. Sie war der Zeigefinger und er schien der Daumen zu sein.