Marion Löhndorf fragt den britischen Schriftsteller: Welche Rolle spielt das Phantastische für Sie?
Ich habe mein Schriftstellerleben als Freudianer begonnen und mich viel mit der freudianischen Vorstellung vom Unbewussten beschäftigt. Das habe ich heute weitgehend hinter mir gelassen.

Wie steht es um die seltsamen Koinzidenzen in Ihren Romanen?
Ja, die gibt es. Aber ich glaube nicht an eine übernatürliche Macht, die sie arrangiert. Ich bin Realist. Ich liebe die Welt der Imagination. Ich glaube, dass es etwas gibt, das wir nicht vollständig begreifen. Ich war mein Leben lang an Wissenschaft interessiert, so entwickelte sich mein philosophischer Materialismus. Die physische Welt und die Natur enthalten so viele Wunder, dass es kaum eine Notwendigkeit für das Surreale gibt. Die Welt der Vulkane und Bäume ist surreal genug.

Was ist gutes Schreiben für Sie? Was lesen Sie gern?
Ich liebe eine Kombination aus Präzision und Lyrik. Es klingt wie ein Widerspruch. Die Musik muss da sein, aber auch die Welt, die wir teilen. Es ist schwer herzustellen. Aber das ist es, was ich liebe…. Ich mag Romane, die versuchen, etwas vom Zeitgeist … einzufangen. Aber die besten haben eine regionale oder provinzielle Qualität, sie reflektieren etwas Unmittelbares aus der Welt, die sie umgibt. Aber letzten Endes geht es nur darum, wie gut sie gemacht sind.
Marion Löhndorf: „Als hätte ich den Holocaust verleugnet“ – Neue Zürcher Zeitung 16.7.2018