Andrea Köhler hat die amerikanische Schriftstellerin und Künstlerin zum Erscheinen ihres ersten Werkes gefragt:

In Amerika wird zurzeit der Begriff „Autofiktion“ hoch gehandelt. Wie sehen Sie das Verhältnis von fiktionalem und autobiografischem Schreiben?

„Ich glaube, jeder Text ist letzten Endes eine Fiktion. „Reine“ Fiktion ist ja oft viel autobiografischer als etwa ein Erinnerungsbuch. Ich habe lange an einem Roman gearbeitet und dabei oft das Gefühl gehabt, viel dichter an den eigenen Gefühlen dran zu sein. Viele Menschen schreiben ihre Memoiren, weil sie in einem bestimmten Licht gesehen werden wollen. Ich glaube nicht daran, dass jemand seine Erinnerungen aufschreibt und dass das unverfälscht ist. Man weiss ja aus der forensischen Medizin, dass Menschen sich nicht korrekt erinnern.“

Joe Brainard hat in „I remember“ das – von Georges Perec aufgegriffene – Prinzip des wie ein Trigger wirkenden Satzanfangs aufgebracht. Jede Erinnerung beginnt mit dem Teilsatz „Ich erinnere mich“. Sie fangen viele Szenen mit der Wendung „Soundso-Strasse, und wie du dies und jenes …“an. Wer ist dieses changierende Du?

„Ich führe ständig Selbstgespräche. Manchmal ist es wie ein Gespräch, manchmal wie ein Tribunal. Man verteidigt sich gegen etwas, und ich habe mich oft gefragt „who is this Person actually, am I speaking to someone actually? Wer ist dieser Andere, der in uns wohnt, der aus mehreren Personen besteht, is it the super ego they speak about in Psychoanalysis? Wobei ich nie gewußt habe, an wen ich mich eigentlich wende.“
Andrea Köhler: „In Amerika könnte ich kaum mehr geistig überleben“ – Neue Zürcher Zeitung 30.7.2018
Von Andrea Scrima ist in diesem Jahr ihr autobiografisches Prosa-Buch aus Skizzen und Erinnerungen „Wie viele Tage“ im Droschl Verlag erschienen.