„… die unerlässliche Zutat zum Schreiben eines Romans ist der punktuelle kreative Grössenwahn. Beim mühseligen Herumhirnen an dem zu schreibenden Buch muss irgendwann einmal der Gedanke aufblitzen: Das, was da gerade entsteht, ist wirklich brillant, einmalig und genau das, worauf die literarische Welt so lange gewartet hat. Und ich, dem das eingefallen ist, muss ein Genie sein.
(..) Im Lauf der Arbeit zeigt sich sehr bald, dass einem das Aneinandermontieren von Worten keineswegs so leicht von der Hand geht, wie das bei einem Genie der Fall sein müsste. Und dass der Gedanke, der diesen so wohltuenden Grössenwahnschub aufgelöst hat, so einmalig brillant nun auch wieder nicht ist. Ganz brauchbar vielleicht oder auch ein bisschen mehr.
Aber ohne das kurzfristige High, das einem die irrtümliche Erkenntnis der eigenen Genialität vermittelt, würde sich niemand an die mühselige Arbeit machen, Hunderte von Seiten mit Text zu füllen.“
Neue Zürcher Zeitung 28.10.2018