„Wird die Situation für die Schriftsteller, rein wirtschaftlich gesehen, zunehmen ungemütlich?“ hat René Scheu den erfolgreichen Schriftsteller Daniel Kehlmann gefragt:

„Ich fürchte, ja. Die Zukunft gehört vielleicht wirklich dem Kafka-Modell: Brotberuf untertags, schreiben am Abend. Oder natürlich der altbewährten Variante: Der Partner, die Partnerin geht einem Brotberuf nach, man selbst schreibt. Ich denke, wir bewegen uns in diese Richtung. Natürlich gibt’s auch die Literaturpreise und die Live-Auftritte von Schriftstellern, aber letztlich sind beide Institutionen an die Kulturförderung gebunden, und es ist fraglich, wie lange die noch Bestand haben wird.“

René Scheu: Oder der Schriftsteller wird zum eigenen Verleger: Wenn er zweitausend Leser findet, die ihm jeden Monat eine Handvoll Franken bezahlt, bringt er das Buch für seine Peer-Group selbst heraus.
„Absolut. Auch das ist eine legitime Praxis – und sie existiert ja längst.“

René Scheu: Dann bricht aber die ganze Verlags- und Buchhandelsinfrastruktur weg. Wenn ich mir das vorstelle, dann spüre ich gleich einen stechenden Schmerz in der Herzgegend.
„Ja, klar, ich auch. Aber die Branche ist unter Druck. Vielleicht kommt auch alles anders, und wir brüten hier Gedanken aus, die an der realen Entwicklung vorbeigehen. Nur einer Sache bin ich mir wirklich sicher: Was auch immer geschieht, Literatur und Autor werden nicht verschwinden.“
aus: René Scheu „Das Buch wird bleiben“ Neue Zürcher Zeitung 3.10.2018