zu definieren ist essentieller Bestandteil der Arbeit eines Erzählers. Er arbeitet aus, was im Verlauf einer Handlung bei einer Figur die Art zu agieren und zu reagieren bestimmt, an der Oberfläche und in der Tiefe.
Aber was über das Gelingen einer Charakterisierung entscheidet, ist oft ein Halbsatz, ein Substantiv, ein Adjektiv, das die Maschinerie der Psychologie blockiert wie ein Bolzen, den man ins Getriebe steckt. Das erzeugt nicht mehr den Effekt eines gut beherrschten Werks, sondern von Fleisch und Blut, von authentischem Leben und deshalb von Inkohärenz und Unvorhersehbarkeit. Im Kino entsteht dieser Effekt, glaube ich, durch ein Zucken im Blick, eine unüberlegte Grimasse, eine unerwartete Geste. Das ist der Moment, in dem das psychologische Schema aufbricht und Figuren an Dichte gewinnen.“
Merve Emre: „Wie wir Frauen vorankommen“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.1.2019