Zum neunzigsten Geburtstag von Günter Kunert schrieb Dichterkollege Kurt Drawert in seiner Würdigung am 6.3.2019 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
„Ich glaube fest, dass jeder Autor von Relevanz und Format über ein ihn treibendes Energiefeld verfügt, das die dunkle, verborgene Welt, ihr ewiges Rätsel, zur Sprache hin bewegt. Bei Kunert ist es die Permanenz der Reflexion, ob lyrisch, essayistisch oder episch. (…)“
Hier Günter Kunerts Gedanken zum Gedichtschreiben:
„Schön? Ich kann
keine schönen Gedichte schreiben
Tote
unschön vertrieben aus ihrem Leben
legen ein Gewicht
auf meine Hand. Die Worte
werden zittrig statt trefflich.
Eine Bildsäule aus Sprache
sollte es sein und wird
grauer Schotter
niederprasselnd in einem andauernden
Sturz.“
aus: Kurt Drawert „Lob dem Aufklärer“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 6.3.2019