Literaturkritiker und Schriftsteller Jörg Magenau hat sich in seinem 2018 bei Hoffmann & Campe erschienenen Band „Bestseller“ mit dem Phänomen von unerwartet auflagestarken Büchern im Rückblick auf die vergangenen siebzig Jahre beschäftigt. Autoren, die heute den Ehrgeiz haben, irgendwann auch einmal auf der Bestsellerliste zu landen zur Analyse empfohlen:

Jörg Magenau: „Bestseller fassen eine vorherrschende Gefühlslage zusammen. Oft handeln sie von Dingen, die verschwinden, verlorengehen, nach denen wir uns sehnen.“

Gibt es ein Muster, eine Bestseller-DNA?
„Die Bestsellerformel steckt nicht nur im Buch, sondern in der Begegnung eines bestimmten Buches, Themas, Stils mit einem historischen Augenblick und einer bestimmten gesellschaftlichen Stimmung.“

Bestseller kommen also nicht aus dem Nichts, wie es manchmal scheint?
„Scheinbar aus dem Nichts, aber eben dann doch nicht aus dem Nichts. Sie bringen oft etwas zur Sprache, was zur Geltung kommen will in dem Moment. Aber das kann man nicht planen, und man kann es übrigens auch nicht übersetzen oder aus einem anderen Land übertragen. Deshalb klappt es oft nicht, Bestseller aus den USA, England oder Frankreich zu uns zu holen. Bestseller sind nationale Phänomene – von internationaler Massenware und globalen Aufregern abgesehen. Denn das Erfolgsgeheimnis weist über das Buch hinaus in die jeweilige Gesellschaft.“
aus: Kathrin Meier-Rust „Algorithmen werden keine Bestseller schreiben“ – Neue Zürcher Zeitung 27.1.2019
Jörg Magenau „Bestseller“, erschienen bei Hoffmann und Campe 2018