„Der erste Satz markiert die Pforte, und zugleich zieht er den Leser in den Text hinein.
… wie anders der letzte Satz! Der steht gleichsam mit dem Rücken zum Text und schaut ins Leere. Der Schlussssatz, eine ephemere Bleibe vor dem Verschwinden?“
„(…) Wie die triadische Puppe blickt auch der letzte Satz in drei verschiedene Richtungen. Er spiegelt
erstens, den zurückliegenden Text;
er reflektiert, zweitens, seine eigene liminale Stellung;
und er bezieht sich, drittens, auf alle möglichen ersten und letzten Sätze der Weltliteratur.“
„Ich möchte … behaupten, dass nichts so schwer ist wie der letzte Satz. Und dass er für die ganze vorangegangene Erzählung keine geringere Bedeutung hat als der ominöse erste Satz…“

„Tatsächlich steckt jeder letzte Satz in dem Dilemma, eine Erzählung beenden zu müssen, auf dass das Erzählen als solches weitergehe.“
aus: Ulrich Raulffs Rede zu seiner Verabschiedung als Direktor des Marbacher Literaturarchivs 2019