Der französische Schriftsteller, der im Alter von 21 Jahren seinen ersten Roman („Sternplatz“ 2010 bei Hanser erschienen) beendete und 2014 den Nobelpreis erhielt stützt sich beim Schreiben seiner Romane auf die „Kunst des Erinnerns“. Hier ein kurzer Auszug zu diesem Thema aus seinem Roman „Gräser der Nacht“, erschienen im Hanser Verlag:

„Ich besitze noch immer ein schwarzes Buch, angefüllt mit Notizen. In diesem Nebel brauche ich genaue Begriffe, und ich schaue ins Wörterbuch. Notiz: kurze Aufzeichnung, die jemand macht, um sich an etwas zu erinnern. Auf den Seiten des Notizbuchs reihen sich Namen, Telefonnummern, Termine von Verabredungen und auch kurze Texte, die vielleicht etwas mit Literatur zu tun haben. Aber in welche Kategorie soll ich sie einordnen? Tagebuch? Bruchstücke von Erinnerungen? Und auch Hunderte abgeschriebene Kleinanzeigen, die in Zeitungen gestanden haben. Entlaufene Hunde. Möblierte Wohnungen. Stellengesuche und -angebote. Hellseherinnen.
Unter diesen Unmengen von Notizen haben manche einen stärkeren Nachhall als andere. Vor allem, wenn nichts die Stille beeinträchtigt. Kein Telefongeklingel mehr seit langem. Bestimmt glauben sie, ich sei gestorben. Du bist allein, hellwach, als wolltest du Morsezeichen auffangen, die ein unbekannter Korrespondent dir aus weiter Ferne schickt. Natürlich , viele Zeichen sind gestört, und auch wenn du die Ohren spitzt, gehen sie für immer verloren. Doch ein paar Namen lösen sich ganz deutlich aus der Stille und von der weißen Seite …“