„Ich bin eine begierig Beobachterin des Alltags – eines eigenen, des Alltags meiner Freunde und Bekannten, der Menschen um mich herum. Mein ganzes fiktionales Schreiben entspringt der Dokumentation von Alltäglichkeiten. Aber die Verbindung zwischen dem festgehaltenen Augenblick und einer fiktiven Szene ist minim. Die Wirklichkeit bildet lediglich das rohe Material, das ich so stark bearbeite, bis die Ähnlichkeit zwischen Fiktion und Realität für das Resultat nicht mehr relevant ist.“

„Weshalb haben Sie sich nie an konventionelle Erzählmuster gehalten?
„… Zur Unterhaltung sind traditionelle Erzählformen gut geeignet. Aber als Leserin und Autorin langweilen sie mich. Ich will von einem Text zum Dialog aufgefordert werden. Ich liebe die Befriedigung, die Geschichten mit sich bringen, zu deren Verständnis man eine Anstrengung unternehmen musste. Literatur soll Fragen aufwerfen und uns auf die Komplexität der Dinge aufmerksam machen. Sie soll einfach Lust aufs Denken machen. In meinen Texten will ich Raum für Widerspruch schaffen.“
aus: „Ich will Lust aufs Denken machen“ von Sacha Verna, Neue Zürcher Zeitung 27.10.2019