Allgemein


Was zischelt dieser Klugscheißer von Anwalt mir aufgeregt zu? Es mache sich gut, Reue gegenüber den Richtern zu zeigen, beeindrucke die Schöffen. Pah, Gefasel! Reue, dass ich nicht lache. Nichts tut mir leid. Im Gegenteil, hätte ich gewusst, wie einfach alles ging, viel eher hätte ich diese Null von Mann ins Nirwana geschickt. Freds Augen, allein dieser Blick war es wert. Dieses Stieren, als ihm die Muskeln nicht mehr gehorchten und der Versuch scheiterte, sprechen zu wollen: Das Auf- und Zuklappen des Mundes wie ein Fischmaul. Auf und zu. Auf und zu. Keinen Ton brachte er zustande. Fred auf dem Sessel, ich keinen Meter weg. Er hätte nur die Hand auszustrecken brauchen, kriegte den Arm aber nicht hoch. Hören konnte er noch. Wie er zusammenzuckte, als ich sagte, das wäre nur der Anfang. Erst mit der Atemlähmung sei alles zu Ende, aber das dauere noch mindestens eine Woche. „Alles schön der Reihe nach, Fred. Augenflimmern, Lichtscheu, Muskellähmung, Sprachstörung, Verstopfung. Verfaulen wirst Du. Und das ganz, ganz langsam.” Das ist das Schöne an diesen teuflischen Tropfen. Haben sie erst mal ihr Spielchen begonnen, hält sie nichts mehr auf. Was für eine Freude zu verfolgen, welches Stadium Fred erreicht hatte. Er auf dem Sessel. Ich keinen Meter von ihm weg. Für Stunden konnte ich sogar das Haus verlassen. Mich ein Weilchen im Café gegenüber verlustieren, genüsslich einen Cappuccino schlürfen, mit dem schmalhüftigen Ober schäkern, so tun, als merkte ich nicht, dass ich nur mit dem Finger zu schnippen brauchte. Der Schmalspurcasanova würde sofort mit mir in unsere Wohnung raufgehen. Sein Gesicht hätte ich sehen mögen bei Freds Anblick, hilflos, sabbernd auf dem Sessel. „Ja, mein Mann ist krank, mach‘ dir nichts draus. Was glaubst du, warum ich dich mitgenommen habe?” Freds Gedanken, die hätte ich gerne gelesen. Wär‘ ein Extrabonbon gewesen zu erfahren, was einer grübelt, der weiß, er lebt noch drei Tage, noch zwei, dann der letzte. Fährerweise habe ich Fred nie im Unklaren gelassen. Das kann der Richter zu den Akten nehmen. Bedauern? Bedauert habe ich, als Fred anfing nach Luft zu ringen, und er dann nach dem letzten gurgelnden Röcheln mit dem gasblauen Gesicht vor dem Sessel lag, dass das Vergnügen, ihm beim Sterben zuzusehen, so kurz war.

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Ich hätte es kommen sehen müssen.
Immer wieder gab es Vorwarnungen:
Der Kanarienvogel starb – das Auto gab seinen Geist auf.
Das Meerschweinchen starb – ich bekam eine sechs in Latein.
Die Schildkröte starb – der Sturm zerstörte das Glasdach des Wintergartens.
Alle Fische im Aquarium starben – Oma hatte einen Schlaganfall.
Und jetzt das Häschen –
Mama?
Mama!

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ihr film

wenn sie den film noch einmal zurückspulen könnte, dann wüsste sie, wo sie stoppen würde. dort nämlich, wo er sie zum ersten mal geschlagen hatte. auch wenn sie seine schläge seither ungezählte male ertragen, sich beinahe schon daran gewöhnt hatte und wusste, wie sie ihre verletzungen geschickt verbergen konnte – sie konnte sich längst nicht mehr an jede einzelne situation erinnern. dieses erste mal jedoch hatte sie noch genau vor augen. bis ins letzte detail. wie einen film, den sie immer wieder neu einlegen und abspulen konnte – der vorspann zu ihrem leben. das gemeinsame abendessen. sie hatte ihr weißes sommerkleid getragen. das, das er ihr am tag zuvor gekauft hatte. „steht dir gut“, hatte er gemeint. und sie hatte sich gefreut. es hatte hühnchen gegeben an diesem abend. hühnchen mit reis und salat. tomatensalat mit viel zwiebel. er hatte zwei bier dazu getrunken. und danach der kuchen. sie hatte kuchen gebacken. weil es ihr geburtstag war. der erste, den sie mit ihm feierte. wie der streit entstanden war. wegen einer kleinigkeit. er wollte nicht mehr ausgehen. sie hatte gebettelt. „es ist doch mein geburtstag, karl und eva warten sicher schon in der bar“. aber er wollte nicht. er wollte daheim bleiben. allein mit ihr. sie wäre so gerne noch ausgegangen, hätte ihr hübsches neues kleid gezeigt. sie waren immer lauter geworden. bis sie schließlich aufgesprungen war und das zimmer verlassen wollte. „ich halte es hier nicht mehr aus“, hatte sie noch geschrien. da war er schon neben ihr gewesen, hatte sie am arm gepackt und ihr ins gesicht geschlagen. mit voller wucht. sie war kurz getaumelt. wäre fast gefallen, wenn er sie nicht am arm gehalten hätte. der schock. sie war regungslos stehen geblieben. im ersten moment hatte sie gar nichts gespürt. nur entsetzen. blankes entsetzen. ja, an dieser stelle – spätestens – würde sie den film herausnehmen und einen anderen einlegen. einen, in dem sie sich wortlos wegdrehte und zur tür hinausging. in ein anderes leben. ihn zurücklassen würde. ihn und den noch nicht angeschnittenen geburtstagskuchen. ohne sich umzudrehen. sie hätte einen anderen mann kennengelernt. wäre mit einem anderen mann zusammengezogen. der hätte sie nicht geschlagen. sie hätte ein kind gekriegt. oder zwei. wie sie es sich immer gewünscht hatte. der arzt hätte ihr nicht gesagt, dass sie keine kinder bekommen könne. da wären keine verwachsungen gewesen in ihrem unterleib. sie wäre glücklich geworden. das wäre der bessere film gewesen. egal, wo sie hingegangen wäre. damals vor 14 jahren. aber das leben war nun mal kein großes kino. man kann nicht einfach den film wechseln, wenn er einem nicht gefällt. deshalb war sie geblieben. in ihrem film.

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Eine unglaubliche Ruhe, nur Vogelgezwitscher war zu hören. Die Blätter der großen Buchen, Birken und Eichen bewegten sich im tänzelnd im Wind. Darunter eine Wiese, sattgrün. Ein wunderbarer Ort.

Ein angeschriebenes Auto kam angefahren. Die Schrift war nicht zu entziffern.. Eine Frau und ein Mann stiegen aus und öffneten den Kofferdeckel. Sie packten ein grosßes Package aus. Es waren Zeltblachen und Zeltstangen. Ziemlich umständlich begannen sie ein riesengroßes Zelt aufzustellen, ein Zelt für mindestens zehn Personen.

Wir wunderten uns und rätselten was das wohl werden könnte.

Und dann plötzlich waren sie da. Sie wurden in Autos hergebracht, Männer, Frauen, Kinder. Viele hatten eine Jacke mit heraufgezogener Kapuze an, die Gesichter war kaum ersichtlich. Aus einem Auto wurden Tische, Bänke, Stühle entnommen und weitere kleine Zelte wurden aufgestellt. Einer der Tische wurde vollgepackt mit Gaskocher, Essgeschirr, Getränke, Esswaren.

Die Kinder bekamen Spielsachen, kleine Fahrräder. Die Männer hockten sich um einen Tisch tranken Bier. Die Frauen brachten Tücher und Decken in die Zelte. Ein buntes Treiben begann, ziemlich laut.

Woher diese Menschen wohl kamen. Es mussten Flüchtlinge sein. Wieso brachte man sie gerade zu uns.

Es wurde Abend. Bis spät in die Nacht hörte man Kinder lachen und weinen, Männer und Frau diskutieren. Am anderen morgen war alles ruhig. Kein Mensch war zu sehen. Auf den Tischen standen Gläser, Teller, angefangene Flaschen in einem wilden Durcheinander. Dieses Durcheinander ging nahtlos auf der Wiese weiter. An einem Seil, welches zwischen zwei Bäume gespannt war, hingen Kleider. Erst so gegen Mittag gab es wieder Bewegung auf dem Platz, Kinder krochen aus den Zelten.

Am Nachmittag mussten wir weg und kamen erst am Abend wieder zurück. Jetzt konnten wir beobachten, wie die Frauen das Küchenmaterial zusammensuchten, alles wuschen und in Kisten versorgten. Dann packten auch die Männer mit an, Tische, Bänke, Stühle, Zelte wurden zusammengepackte und in den Autos verstaut.

Dann stiegen nach und nach alle ein und fuhren los. Ja, es waren Flüchtlingen. Flüchtlinge, die über das Wochenende aus der Enge der Stadt entflohen waren, hinaus in die Natur.

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Keine Geissen, keine Hütte und schon gar kein Alpöhi! Weg, weg, einfach verschwunden und seine ehemalige kärgliche Behausung Wind und Wetter ausgesetzt! Wo er nur sein mag, dieser alte, bärtige Brummbär und zu alledem scheint er auch den Geissenpeter mitsamt seiner Ziegenherde mitgenommen zu haben!
Und ich, sein Heidi, wie stehe ich jetzt da so mauseallein auf diesem unkrautüberwucherten Fleckchen Erde? Was mag wohl meinen Öhi dazu bewogen haben, seine über alles geliebte Heimat, seine Berge und die wunderschönen Sonnenaufgänge aufzugeben? Ja, liess er denn tatsächlich alles stehen und liegen und lieferte seine meckernden Vierbeiner ihrem Schicksal aus?

Ich wollte doch mit ihm auf unserem windschiefen Holzbänkli von alten Zeiten schwärmen und dabei seine schwielige, warme Hand in der meinen halten. Und ich wollte wieder einmal von ihm getröstet werden, wie damals, als ich noch sein kleines lebenslustiges Heidi war.

Da habe ich nun also diesen mühsamen, schweisstreibenden Aufstieg völlig umsonst unter die untrainierten Füsse genommen!? Ich kann, ich will nicht glauben, was ich sehe oder bin ich am Ende gar auf dem falschen Berg? Aber nein, da stecken doch vermutlich diese cleveren Filmemacher dahinter und lockten meinen gutgläubigen Öhi mit einer vermeintlichen Blitzkarriere als Schauspieler ins Tal hinunter – mich, als Lockvogel hatten sie ja bereits, denn das Heidibuch erfreute sich doch zunehmender Beliebtheit …

… und jetzt sitze ich immer noch auf besagtem Bänkli und weiss: „min Alpöhi chunnt nümme!“ Denn nun habe ich ihn eingeholt und bin selber so alt, wie er damals war!

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Die Uhr stand still. Eine Uhr, die bereits seit achtundachtzig Jahren ohne Unterlass tickte. Fräulein Chaya betrachtete diese etwas wehmütig. „Lebe wohl“, sprach sie leise zu der Uhr und wusste, dass sie nicht wirklich zu der Uhr sprach, sondern zu dem Menschen, dessen Lebensuhr nun stehen geblieben war. Dieser Mensch war nun tot und doch wieder nicht, denn hatte er ein gutes Leben geführt und viel geliebt, dann fuhr er an einen Ort, welcher sich über dem Reich der Hüterin der Lebensuhren von Fräulein Chaya befand und voller Glückseligkeit war. Deshalb war Fräulein Chaya nicht besonders traurig, als diese besondere Uhr stehenblieb. Denn die neue Uhr, die dieser Mensch nun besaß, würde niemals aufhören zu ticken. So schritt Fräulein Chaya durch den langen Saal ihrer vielen Lebensuhren und hatte alles im Blick. Doch plötzlich hörte sie ein merkwürdiges Geräusch: eine Uhr geriet ins Stocken! Sofort hastete Fräulein Chaya zu dieser Uhr und war darum bemüht, diese Uhr wieder in Gang zu bringen. Die Lebenszeit dieses Menschen war noch nicht beendet und wenn sie es nicht schaffte, diese Uhr rechtzeitig wieder in Gang zu setzen, dann starb dieser Mensch viel zu früh und ohne, dass er seine Lebensaufgabe auf Erden hatte erfüllen können. Und zur Strafe für diesen furchtbaren Fehler müsste Fräulein Chaya mit ihrem Leben bezahlen und zwar sehr teuer im See der Verdammten. Und sie würde ersetzt werden von jemand anderem. Hektisch fummelte sie nun an dieser ins Stocken geratenen Uhr herum und konnte nichts finden, was diese Unterbrechung ausgelöst hatte und so konnte sie sie nicht wieder in Gang bringen! Schnell trat sie zu einer Wolke und sah den Menschen, dessen Uhr nun stehenzubleiben drohte. Einfach bewusstlos umgekippt war der Mensch und andere Menschen bemühten sich, ihn wieder ins Leben zurückzuholen. Dies sah Fräulein Chaya im Bild ihrer Wolke. Selten geriet sie in Angst und Trauer, doch nun ergriff es sie innerlich so stark, dass sich eine Träne aus ihrem Auge stahl und auf das Uhrwerk tropfte. Erschrocken fuhr sie zusammen, als die Uhr laut schrillte und auf einmal wieder in Gang kam! Fassungslos starrte sie auf die Lebensuhr in ihrer Hand, wie sie wieder munter weitertickte und in ihrer Wolke erkannte sie, dass der Mensch dieser Uhr wieder zu sich gekommen und munter war! Welch eine Erleichterung! Fräulein Chaya war überglücklich und stellte die Uhr wieder zurück an ihren Platz. Doch ehe sie dies tat erkannte sie, dass sich hinter der Uhr an der Wand schwarze Fäulnis gebildet und dies wohl das Stocken der Uhr verursacht hatte. Sofort stellte sie die Uhr an einen hellen und reinen Platz und machte sich daran, die Fäulnis zu beheben. Fräulein Chaya wusste also nun, was stets in solchen Fällen zu tun war, sollte wieder eine Lebensuhr ins Stocken geraten: Liebe behob jedes von Fäulnis befallene Herz! Denn Liebe war schon immer die mächtigste Magie auf Erden gewesen, die auf ewig unbezwingbar sein und gegen die niemand bis zum Ende aller Zeiten ankommen wird. Solange die Liebe noch existierte, gab es weiterhin Hoffnung, jedes Herz wieder zurück ins Leben zu bringen und die Lebensuhr weiterticken zu lassen.

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Was da war – Lorbeerkirsche, erste Finger der Eberesche, im Nachbarsgarten Vergissmeinnicht, Katzengrab; in unserem wild der Löwenzahn. Ich blickte – efeubewachsen – den Stamm der Kirsche hinauf zum Ast, zum Blatt, den letzten Blüten – und Blau der Himmel, darunter Dein Strohhut, Deine Brille, Du.
Die Vögel und ihre immer jungen Lieder hörte ich an diesem Nachmittag, der niemandem gestohlen war – nur der Zeit.

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einmal gehe ich spazieren. hinter einer reihe von tannen höre ich rufe. ich folge den stimmen und gelange zu einem fußballfeld, auf dem gerade ein spiel im gange ist. eine rosafarbene mannschaft spielt gegen eine blaue. das spiel macht einen hitzigen und zugleich fahrigen eindruck. die rosafarbenen spieler wirken ungeschickt, verzweifelt, immer wieder schießen sie den ball in unsinnige richtungen und greifen sich anschließend fassungslos an die köpfe. ein tragisches spiel, sagt plötzlich eine stimme. ich blicke mich um. hinter mir steht ein braun gebrannter mann mit leuchtend weißen zähnen. Er lächelt mir zu, stellt sich neben mich und beginnt zu erzählen: die rosafarbene mannschaft, so erklärt er, sei eigentlich weiß. doch die frau vom torwart habe die trikots aus versehen mit einer roten socke zusammen gewaschen und die ganze wäsche dadurch rosa verfärbt. die mannschaft habe sich daraufhin geweigert zu spielen, aber das schiedsgericht hatte darauf bestanden, dass… aaahr! genau an dieser stelle wird unser gespräch von einem schrei unterbrochen. aaahr! der schrei gellt heiser über den platz, und mit entsetzen sehe ich, wie der stürmer der rosa mannschaft mit gesenktem kopf über das spielfeld rast, in das gegnerische tor stürzt und mit dem kopf im tornetz hängen bleibt. immer noch schreiend hängt er dort, kann weder vor noch zurück und schnappt nach luft, wobei ihm die nylonschnüre ins gesicht schneiden. der anblick ist unerträglich. ich verabschiede mich von dem mann mit den weißen zähnen und gehe weiter.

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Hübsch sind sie, die drei jungen Männer in der Boutique. Begutachten Seidenhemden, feine Sakkos und Hosen. Die Verkäuferin sortiert Pullover. Sie hängen alles über den Arm, gehen im Gänsemarsch langsam in Richtung Kasse, daran vorbei zum Ausgang. Die Verkäuferin startet durch. Die jungen Männer ebenfalls. Noch hübscher werden sie aussehen.

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Der alt gewordene Casanova mit seinem ledernen Teint lehnt sich weit aus dem Schiebefenster des Strandkiosk und hält mir meinen Cappuccino entgegen. Am Handgelenk baumelt ein Kettchen. „Darf es noch was sein, junge Dame?“, fragt er in norddeutscher Breite. Unter den buschigen Augenbrauen blitzen blaue Augen. Ich schüttele den Kopf und halte ihm einen Fünf-Euro-Schein hin. Das Wechselgeld lässt er in der Luft tanzen. Casanova in Hochform. Ich balanciere meinen Cappuccino zum Kiosk-Strandkorb, der eben noch in der Sonne stand. Jetzt nehmen dunkle Wolken Lauerstellung über ihm ein. Urlauber in Hot-Pants, Sandalen und Regenjacken ziehen die Schultern hoch, Wind kommt auf, dann fallen die ersten Tropfen. Ich verkrieche mich im Strandkorb, er riecht nach Plastikbezug und feuchtem Bast. Aus den Regentropfen werden Fäden, ich ziehe meine Füße an den Körper hoch, auf den Plastikbezug und klappe das Vordach runter.

Gegenüber auf dem Reetdach des Kiosks sammeln sich dünne Rinnsale. Den Urlaubern, die sich an die blaue Holzwand des Kiosks pressen, tropft es in die Kragen. Unter einem Sonnenschirm harrt am weißen Plastiktisch eine Familie über Pommes und Currywurst aus. Der Mutter bläst der Wind den Regen in den Rücken. Der Vater zündet sich im ketchuproten Mundwinkel eine Zigarette an.
Der Regen kommt nun mit Wucht vom Himmel und trifft auf das Vordach. Rechts neben meinem Bein platscht er in eine Pfütze neben dem Strandkorb und verteilt feine Wasserwege auf meine sandigen Zehen. Casanovas Stimme klingt aus der Durchreiche zu mir rüber. „Muttern“, ruft er jetzt harsch. Die steht wohl drinnen unsichtbar an der Fritteuse.

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