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„Wir tragen immer Ideen mit uns herum, wir müssen nur darauf warten, bis sie sich in uns durchsetzen. So las ich in der New York Times einen Artikel über einen kleinen Park in einem eleganten Stadtviertel, dessen Bewohner nicht länger dulden wollten, dass dieser Park, in dem einst das Haus der Brüder Collyer stand, deren Namen weiterhin trug. Da dachte ich mir: Fünfzig Jahre nach ihrem Tod sorgen die beiden Brüder immer noch für Unruhe. Etwas geht da vor, und es interessierte mich. Eines Tages habe ich dann, ohne zu wissen, was ich tat, den ersten Satz des Buches niedergeschrieben. Es war, aus welchem Grund auch immer, ein Augenblick, der mir wichtig war und in mir etwas auslöste. Erste Sätze sind wichtig, sehr sehr wichtig. Sie sind die Samenkörner eines Buches.“

„Irgendein Bild oder eine Idee oder ein Satz bewirken etwas in mir, und ich fange an zu schreiben, um herauszufinden, was es ist.“

„Ich mußte lernen, dem Schreibakt zu vertrauen, und zwar als etwas, das nicht vollkommen berechenbar ist. Wenn man schließlich weiter im Buch fortgeschritten ist, begreift man allmählich, was man tut, und muss die Prämissen erfüllen. Es ist also keine total mystische Sache, es ist harte Arbeit, und manchmal geht man auch ganz aufgeregt an die Arbeit, nur um im Nichts zu landen.“

aus: Jordan Mejias „Wie lebt es sich in Ihren Sätzen, Mister Doctorow?“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gabriela Kasperski („Quittengrab“ Emons) auf die Frage, was aus ihr geworden wäre, wenn nicht Schriftstellerin:

„Damit ich Schriftstellerin sein kann, bin ich auch Putzfrau, Sprecherin, Lebenscoach, Dozentin, Köchin, Übersetzerin, Beziehungscoach, Regisseurin … irgendwo wäre da sicher ein Platz. Vielleicht nicht als Köchin.“
Aus: Lesen 4/2018, Orell Füssli

„Was das Theater die Wissenschaften lehren könnte, ist, dass wahre Erinnerung nur durch sinnliches Erinnern möglich ist. Es ist unmöglich, die Vergangenheit zu bewältigen, ohne sie mit Haut, Nase, Hintern, Füßen und Bauch wiederbelebt zu haben.“
„Theaterspielen ist in gewisser Weise wie Sex.“
aus: Thomas David „Ein langer Epilog“ Neue Zürcher Zeitung 10.10.2008

„Solange jeder Blogger davon träumt, dass seine Gedanken als Buch erscheinen, solange das Buch als Sehnsuchtsort auch in der digitalen Welt eine solche Kraft behält, muss man vor der Zukunft keine Angst haben.“
Florian Illies, ehemals Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Buchautor (Generation Golf, 1913), Herausgeber der Zeit und seit 2018 verlegerischer Geschäftsführer beim Rowohlt Verlag

Nachdem die vierbändige Romanfolge „Meine geniale Freundin“ unzählige Leser begeistert hat, wird sie bald auch als Fernsehserie erscheinen.
Die geheimnisvolle italienische Schriftstellerin, die immer noch ihren wirklichen Namen unter einem Pseudonym verbirgt, hat das Drehbuch zusammen mit dem Regisseur adaptiert und erfahren:
„Das Problem ist, dass ich unerfahren bin, dass ich gedacht habe, ein Drehbuch wäre schon der Film und folglich jede einzelne Zeile definitiv. Tatsächlich ist das Filmset aber der wirklich wichtige Ort. Das Schreiben schafft einen Ausgangspunkt, es zeichnet nur eine Landkarte, die dem Regisseur helfen soll, unter großem Aufwand der Erzählung eine Form zu geben.“

„Ich glaube, als Schriftsteller weiß man nie wirklich, welches Buch man geschrieben hat. Wir erzählen eine Geschichte und versuchen, das so gut wie möglich zu tun. Ich habe sehr langsam verstanden, dass ein Buch viel mehr mit sich schleppt als das, was ich hineingeschrieben zu haben glaube.“
Aus einem E-Mail-Gespräch, das Merve Emre mit der geheimnisvollen italienischen Schri9ftstellerin führte: „Wie wir Frauen vorankommen“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.1.2019

„Schriftsteller können am Ende nur über sich selber schreiben, sie müssen vor ihrem eigenen Erfahrungshintergrund eine Vision von Wahrheit entwickeln.“
(…) „Der Schriftsteller muss die Bürde der Erinnerung schultern, als Wächter und Zeuge. Eine Art Versöhnung mag ihm gelingen, aber auch Scheitern ist eine Möglichkeit.“
aus: Andreas Breitenstein „Manchmal reicht ein einziger Satz“, Neue Zürcher Zeitung 16.3.2018

Der Schriftstellerin Mirjam Pressler verdanken die Leser an die dreißig Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Bücher, dazu viele Übersetzungen. Sie lebte für und von der geschriebenen Sprache:
„Vielleicht ist mein Leben ja nicht nur geprägt von Worten und Sätzen sondern im eigentlichen Sinn daraus gemacht.“
„Ich traue Wahrnehmungen erst dann, wenn ich Worte für sie finde oder sie mit Worten so weit eingekreist habe, dass ihr Kern von mir erkannt werden kann.“
Am 16. Januar ist Mirjam Pressler gestorben, sie wurde 78 Jahre alt.

Christoph Ransmayr „Cox oder Der Lauf der Zeit“: „Und so hielt Quianlong, der Herr der Horizonte, der Unbesiegbare, fröstelnd inne und legte den Glaskegel dann behutsam in die seidene Kuhle zurück.“

Marcel Beyer „Kaltenburg“: „Aberhunderte Saatkrähen werden gemeinsam mit den Rabenkrähen, Nebelkrähen, Dohlen riesige Vogelwolken bilden, die über uns pulsieren, an den Rändern ausfransen und sich erneut zu schwarzen Flecken zusammenziehen.“

Per Olov Enquist „Kapitän Nemos Bibliothek“: „So war es, so ging es zu, dies ist die ganze Geschichte.“

Romain Gary „Lady L“: „Die rechte Hand des Skeletts hielt eine rote Tüllrose“

zu definieren ist essentieller Bestandteil der Arbeit eines Erzählers. Er arbeitet aus, was im Verlauf einer Handlung bei einer Figur die Art zu agieren und zu reagieren bestimmt, an der Oberfläche und in der Tiefe.
Aber was über das Gelingen einer Charakterisierung entscheidet, ist oft ein Halbsatz, ein Substantiv, ein Adjektiv, das die Maschinerie der Psychologie blockiert wie ein Bolzen, den man ins Getriebe steckt. Das erzeugt nicht mehr den Effekt eines gut beherrschten Werks, sondern von Fleisch und Blut, von authentischem Leben und deshalb von Inkohärenz und Unvorhersehbarkeit. Im Kino entsteht dieser Effekt, glaube ich, durch ein Zucken im Blick, eine unüberlegte Grimasse, eine unerwartete Geste. Das ist der Moment, in dem das psychologische Schema aufbricht und Figuren an Dichte gewinnen.“
Merve Emre: „Wie wir Frauen vorankommen“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.1.2019

Michael Ondaatje (Buddy Boldens Blues): „ … Ich bin keiner dieser Autoren, die während des Schreibens Musik hören; dann klingt das Geschriebene nämlich viel besser, als es in Wirklichkeit ist.
Es ist immer gut, die Arbeit in einem kalten, stillen Raum zu verrichten.
Es gibt allerdings dieses Empfinden für eine Tonlandschaft, und bei früheren Arbeiten hatte ich immer den Eindruck, dass die Struktur eines dreiminütigen Jazz-Stücks eine gute Struktur für ein Buch abgibt. Man hat fünf oder sechs Musiker, von denen jeder sein Solo spielt, und am Ende des Buchs kommen sie in einem Chorus zusammen.“
„ … Das Problem mancher Romane ist, dass sie die ganze Zeit das gleiche Tempo beibehalten, den gleichen Klang, so dass man sich nach dreissig Seiten zu langweilen beginnt. Man muss beim Schreiben auch mal einen anderen Gang einlegen.“
Aus: Thomas David „England war ein fremdes Universum“ – Neue Zürcher Zeitung 13.11.2018

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