Er ist ein bekannter Jazzsänger, dessen Konzerte in Dresden, Stuttgart und Baden-Baden zu hören sind. Zuletzt erschien „Nat King Cole and Me“ von ihm. Wiebke Hüster hat ihn interviewt:

Was kommt zuerst, Text oder Melodie?
„Das kommt beides gleichzeitig, das steigt aus meinem Unterbewußtsein einfach so nach oben.“

Und Sie setzen sich dann bloß kurz hin und notieren es?
„Ich setze mich nie mit dem Vorsatz hin, zu komponieren. Ich fange eher ein, was mir zufliegt.“

Und wie bringen Sie sich in diesen Flow?
„Durch Bewegung. Ich fahre – mit Motorrädern, Autos oder in Zügen. Ich sitze immer mit Notizblock und Stift im Auto. Oder ich nehme auf, was ich singe beim Fahren oder Fliegen.
aus: Wiebke Hüster „Body ist Bass“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.5.2018

„Schreiben Sie linear, vom Anfang zum Ende?“ fragte Marius Leutenegger den Autor, dessen zweiter Wolkenbruch-Roman im vergangenen Jahr erschien: „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ 2019 bei Diogenes.
„Ja, ich schrieb auch die beiden Handlungsstränge abwechslungsweise. Im Detail plane ich meine Bücher nicht. Mein Schreibprozess ist zu vergleichen mit der Reise von Magellan, der vom Atlantik in den Pazifik gelangen wollte. Das Ziel ist klar, aber die Reise dahin gestaltet sich eben so, wie sie sich gestaltet. Ich wusste zu Beginn des Schreibprozesses, dass es auf der einen Seite das Weltjudentum und auf der anderen die Nazis gibt und dass es am Ende zum Showdown kommt. Grundsätzlich arbeite ich aber sehr intuitiv und spontan, ich setzte mich hin und erfinde, ohne alles vorauszuplanen.“
aus: „Glück ist eine Subtraktionsrechnung“ von Marius Leutenegger, Lesen 3/2019

Nach ihrem Debütroman „Wurfschatten“ ist im Herbst 2019 ihr zweiter Roman „Der Sprung“ bei Diogenes erschienen.

Worauf freust du dich jetzt am meisten?, fragt Céline Tapis die Autorin

„Ich mache sehr gerne Lesungen. Wenn ich schreibe, tue ich das immer auch mit den Ohren. Für mich gehören Klang und Rhythmus genauso zu einem Text wie die Bedeutung der Worte. Das ist mitunter der Grund, weshalb ich eher langsam schreibe. An Lesungen wird mein Text wieder mit Klang angereichert, er wird mehrdimensional. Und ich finde es auch einfach schön, mit Menschen in Kontakt zu treten, die mein Buch lesen, sich damit auseinandersetzen.“
aus: Magazin Lesen 3/2019

Der französische Schriftsteller, der im Alter von 21 Jahren seinen ersten Roman („Sternplatz“ 2010 bei Hanser erschienen) beendete und 2014 den Nobelpreis erhielt stützt sich beim Schreiben seiner Romane auf die „Kunst des Erinnerns“. Hier ein kurzer Auszug zu diesem Thema aus seinem Roman „Gräser der Nacht“, erschienen im Hanser Verlag:

„Ich besitze noch immer ein schwarzes Buch, angefüllt mit Notizen. In diesem Nebel brauche ich genaue Begriffe, und ich schaue ins Wörterbuch. Notiz: kurze Aufzeichnung, die jemand macht, um sich an etwas zu erinnern. Auf den Seiten des Notizbuchs reihen sich Namen, Telefonnummern, Termine von Verabredungen und auch kurze Texte, die vielleicht etwas mit Literatur zu tun haben. Aber in welche Kategorie soll ich sie einordnen? Tagebuch? Bruchstücke von Erinnerungen? Und auch Hunderte abgeschriebene Kleinanzeigen, die in Zeitungen gestanden haben. Entlaufene Hunde. Möblierte Wohnungen. Stellengesuche und -angebote. Hellseherinnen.
Unter diesen Unmengen von Notizen haben manche einen stärkeren Nachhall als andere. Vor allem, wenn nichts die Stille beeinträchtigt. Kein Telefongeklingel mehr seit langem. Bestimmt glauben sie, ich sei gestorben. Du bist allein, hellwach, als wolltest du Morsezeichen auffangen, die ein unbekannter Korrespondent dir aus weiter Ferne schickt. Natürlich , viele Zeichen sind gestört, und auch wenn du die Ohren spitzt, gehen sie für immer verloren. Doch ein paar Namen lösen sich ganz deutlich aus der Stille und von der weißen Seite …“

„Der Schreibende versucht, sich die Welt durch das Schreiben zu erklären. Wenn wir lesen, dann interessieren uns doch vor allem zwei Dinge: Berührt es uns? Und damit eng verbunden, erkennen wir uns in den Büchern wieder? Bücher können uns zeigen, dass wir nicht allein sind. Das ist das Band zwischen dem Lesenden und dem Schreibenden, beide gehören zur gleichen Gemeinschaft.“
aus: „Verbrechen entstehen aus Liebe oder Gier“von Nils Minkmar, Bestseller, Kulturmagazin Spiegel

Schon der Titel war ungewöhnlich, Stil und Thema waren es auch und scheinbar hat Thomas Meyer bei den Lesern damit genau den Nerv getroffen, denn sein Roman „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ (Diogenes) erschien als Debüt 2012 und wurde gleich ein Hit. Jetzt erscheint so etwas wie eine Fortsetzung unter dem Titel „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“. Marius Leutenegger findet diesen zweiten Wolkenbruch-Roman sogar noch „etwas schräger“ und fragt wieviel eigenes Erleben auch hier mit eingegangen ist:

„Es geht wohl jedem Romandebütanten so: Man hat ein Leben geführt bis zum ersten Buch, und dann kippt man dieses ganze Leben in den Text hinein. Mittlerweile habe ich viele andere Dinge geschrieben und bin älter geworden. Ich habe mehr Distanz – und darum ist mehr Ironie möglich.“

Die Fans des Debütromans werden sicher „erstaunt“ sein, gibt Marius Leutenegger zu bedenken:
„.. ich schreibe in erster Linie das Buch, das ich gern lesen will. Wenn andere meinen Geschmack teilen, freut mich das sehr. Und wenn derart viele diesen Geschmack teilen, das ich am Ende vom Schreiben leben kann, freut mich das noch mehr. Aber ich kann nicht nach dem Geschmack von anderen schreiben. Ich weiss ja gar nicht, was die Wolkenbruch-Fans erwarten. Das zweite Buch ist in der Tat ganz anders als das erste. Ich finde es aber besser, und ich bin überzeugt, dass die Menschen, die den ersten Wolkenbruch mochten, auch offen sind für ganz andere Geschichten.“
aus dem Interview, das Marius Leutenegger für LESEN 3/2019 mit Thomas Meyer geführt hat

nie nur eine Aneinanderreihung von Fragen und Antworten, sondern ein kleines Theaterstück. Aus dem kann man auch nicht einfach einen Akt tilgen. Gute Interviews haben Statik, Dramaturgie, Symmetrie. Sie können nur als Gesamtes bewertet werden. Interviewpartner autorisieren manche Antworten nur, weil sie wissen, dass in einer anderen Antwort der Kontext geliefert wird oder dass ein Angriff in der einen Antwort durch eine andere weichere Antwort weniger grob erscheint. Aber wenn diese Antwort nicht mehr da ist? Man sollte Interviewpartner so behandeln, wie man selbst behandelt werden wollte, wäre man an ihrer Stelle. Befolgt man das, spricht es sich herum und man bekommt leichter weitere gute Interviewpartner.“
aus: Timo Fraschs Intervies-Band „Sie stellen mir Fragen, die ich mir nie gestellt habe“, Verlag Frankfurter Allgemeine

„Die Literatur ist ein Reich, in dem Gedanken erprobt, Leben ausprobiert werden können.“
aus: Jede Haftstrafe ist lebenslänglich von Sacha Verna, Neue Zürcher Zeitung 16.6.2019

Die Autorin aus dem Kosovo, die als 13jährige in die Schweiz kam, erhielt den Schweizer Buchpreis für „Elefanten im Garten“ (Limmat Verlag). Inzwischen ist ihr zweites Buch „Fünf Jahreszeiten“ erschienen:
„Der Regisseur Jean-Luc Godard sagte einmal, er brauche nur in ein Café zu gehen und seine Mitmenschen zu beobachten, das liefere ihm genügend Stoff. Ich nehme oft Gespräche auf oder notiere mir Dialoge. Wir erfinden die Welt ja nicht neu, wir erzählen nach, was wir sehen, hören, wie wir uns fühlen, was andere sagen.“
aus: Digestif – Interview von Céline Tapis – Lesen 1/2019 Orell Füssli

Gina Thomas hat sich mit dem britischen Schriftsteller über seinen neuen Roman „Maschinen wie ich“ unterhalten. Im Laufe des Gesprächs fragte sie auch:
Sie beziehen sich gern auf den Satz von Henry James, wonach es die große Aufgabe des Romans sei „Interessant zu sein“ Wollen Sie mit Ihren Büchern zur Diskussion beitragen?

„Ich weiß nicht, welchen Beitrag „Maschinen wie ich“ leisten wird. In gewisser Hinsicht geht es um Fragen, die seit zwei- bis dreitausend Jahren diskutiert werden, sei es in der Mythologie oder in technologischer Hinsicht. Grundsätzlich aber darf die Literatur das Lustprinzip nicht aus den Augen verlieren, nicht beim Lesen und auch nicht beim Schreiben. Schriftsteller müssen sich zur Freude an ihrer Arbeit bekennen. Um zeitgenössische Fragen in Angriff zu nehmen, sollte man lieber einen Zeitungsessay schreiben.“
aus: Gina Thomas „Wir sehnen uns nach künstlichen Menschen“, Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.5.2019

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