Fred Vargas: Transformation Sprache zu Musik
"Ich denke, dass jeder, der schreibt, auf die Musikalität der Worte achtet. Wenn man die Sprache einer Unterhaltung aufzeichnet und dann genauso in ein Buch überträgt, geschieht etwas Kurioses: Einmal aufgeschrieben, erscheint sie falsch. Man erhält, wie in schlechten Fernsehserien, eine Sprache, die zu dicht an der Realität klebt, die falsch, vulgär und dumm ist.
Die Fiktion nimmt das Leben, unser Leben, und steckt es in eine Hülle, vergleichbar mit dem Futter eines Kleidungsstücks. Diese Umformung zu Musik ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Sie ist erforderlich, wenn man dieses Produkt, dieses andere Leben, erschaffen will, mit dem man unser reales Leben ständig füttert und das man für die Fantasie und zum Träumen braucht. Denn dort spielt eine andere Musik."
aus: "Das Herz der Hirsche" von Tobias Gohlis und Martin Schöne - Literarische Welt 7.4.2007